22l) Neisebilder II.
wir auch, was jetzt beständig geschieht, über bürgerliche Ungleichheitklagen, so sind alsdann unsere Nngen nach oben gerichtet, wir sehennur diejenigen, die über uns stehen, und deren Vorrechte uns be-leidigen; abwärts sehen wir nie bei solchen Klagen, es kommt unsnie in den Sinn, diejenigen, welche durch Gewohnheitsunrecht nochunter uns gestellt sind, zu uns heraufzuziehen, ja uns verdrießt essogar, wenn diese ebenfalls in die Höhe streben, und wir schlagenihnen auf die Köpfe. Der Kreole verlangt die Rechte des Europäers,spreizt sich aber gegen den Mulatten, und sprüht Zorn, wenn diesersich ihm gleichstellen will. Ebenso handelt der Mulatte gegen denMestizen, und dieser wieder gegen den Neger. Der FrankfurterSpießbürger ärgert sich über Vorrechte des Adels; aber er ärgertsich noch mehr, wenn man ihm zumutet, seine Juden zu cman-cipieren. Ich habe einen Freund in Polen, der für Freiheit undGleichheit schwärmt, aber bis auf diese Stunde seine Bauern nochnicht aus ihrer Leibeigenschaft entlassen hat.
Was den englischen Klerus betrifft, so bedarf es keiner Er-örterung, weshalb von dieser Seite die Katholiken verfolgt werden.Verfolgung der Andersdenkenden ist überall das Monopol der Geist-lichkeit, und auch die anglikanische Kirche behauptet streng ihreRechte. Freilich die Zehnten sind ihr die Hauptsache, sie würde durchdie Emancipation der Katholiken einen großen Teil ihres Einkom-mens verlieren, und Aufopferung eigener Interessen ist ein Talent,das den Priestern der Liebe ebensosehr abgeht wie den sündigenLaien. Dazu kommt noch, daß jene glorreiche Revolution, welcherEngland die meisten seiner jetzigen Freiheiten verdankt, aus religiösem,protestantischem Eifer hervorgegangen; ein Umstand, der den Eng-ländern gleichsam noch besondere Pflichten der Dankbarkeit gegen dieherrschende protestantische Kirche auferlegt, und sie diese als das.Hauptbollwerk ihrer Freiheit betrachten läßt. Manche ängstlicheSeelen unter ihnen mögen wirklich den Katholizismus und dessenWiedereinführung fürchten, und an die Scheiterhaufen von Smith-field denken — und ein gebranntes Kind scheut das Feuer. Auchgiebt es ängstliche Parlamentsglieder, die ein neues Pnlverkomplottbefürchten — diejenigen fürchten das Pulver am meisten, die esnicht erfunden haben — und da wird es ihnen oft, als fühlten sie,wie die grünen Bänke, worauf sie in der St. Stephanskapclle sitzen,allmählich warm und wärmer werden, und wenn irgend ein Redner,wie oft geschieht, den Namen Guy Fawkes erwähnt, rufen sie ängstlich:Ulsan- bim! bsur bim! Was endlich den Rektor von Güttingen be-trifft, der in London eine Anstellung als König von England hat,so kennt jeder seine Mäßigkeitspolitik, er erklärt sich für keine vonbeiden Parteien, er sieht gern, daß sie sich bei ihren Kämpfen wechsel-seitig schwächen, er lächelt nach herkömmlicher Weise, wenn sie friedlich