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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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Ills Iiis ol Haxolsou Lnonaxarte. 191

doch jeder, der sie unbefangen betrachtet, tief betroffen wird von dertragischen Ruhe und antiken Gemessenheit jener Gesichtszuge, die gegendie modern aufgeregten, pittoresken Tagsgesichter so schauerlich er-haben kontrastieren, und etwas Herabgcstiegen-Göttliches beurkundeinKonnte aber der schottische Dichter nicht die Gestalt, so konnte ernoch viel weniger den Charakter des Kaisers begreifen, und gernverzeih' ich ihm auch die Lästerung eines Gottes, den er nicht kennt.Ich muß ihm ebenfalls verzeihen, daß er seinen Wellington für einenGott hält, und bei der Apotheose desselben so sehr in Andacht gerät,daß er, der doch so stark in Viehbildern ist, nicht weiß, womit erihn vergleichen soll. Immerhin, wie die.Menschen sind, so sind auchihre Götter. Stumpfsinnige Neger verehren giftige Schlangen, guer-äugige Baschkiren verehren häßliche Klötze, platte Lappländer ver-ehren Seehunde Sir Walter Scott giebt diesen Leuten nichts nach,und verehrt seinen Wellington.

Bin ich aber tolerant gegen Walter Scott, und verzeihe ich ihmdie Gehaltlosigkeit, Irrtümer, Lästerungen und Dummheiten seinesBuches, verzeihe ich ihm sogar die Langeweile, die es mir verur-sacht so darf ich ihm doch nimmermehr die Tendenz desselbenverzeihen. Diese ist nichts geringeres als die Exkulpation des eng-lischen Ministeriums iu betreff des Verbrechens von St. Helena.In diesem Gerichtshandel zwischen dem englischen Ministerium uudder öffentlichen Meinung," wie der Berliner Recensent sich ausdrückt,macht Walter Scott den Sachwalter," er verbindet Advvkntcnkniffemit seinem poetischen Talente, um den Thatbestand und die Geschichtezu verdrehen, und seine Klienten, die zugleich seine Patrone sind,dürften ihm wohl außer seinen Sporteln noch extra ein Douceurin die Hand drücken.

Die Engländer haben den Kaiser bloß ermordet, aber WalterScot t hat ihn verkauft. Es ist ein rechtes Schottenstück, ein echtschottisches Nationalstiickchen, und man sieht, daß schottischer Geiz nochimmer der alte, schmutzige Geiz ist, und sich nicht sonderlich ver-ändert hat seit den Tagen von Naseby, wo die Schotten ihren eigenenKönig, der sich ihrem Schutze anvertraut, für die Summe von 499 999Pfund Sterling an seine englischen Henker verkauft haben. JenerKönig ist derselbe Karl Stuart, den jetzt Caledonias Barden soherrlich besingen, der Engländer mordet, aber der Schotte ver-kauft und besingt.

Das englische Ministerium hat seinem Advokaten zu obigemVe hufe das Archiv des torsiAn cckkios geöffnet, und dieser hat imneunten Bande seines Werks die Aktenstücke, die ein günstiges Lichtauf seine Partei und einen nachteiligen Schatten auf deren Gegnerwerfen konnten, gewissenhaft benutzt. Deshalb gewinnt dieser neunteBand bei all seiner ästhetischen Wertlosigkeit, worin er den vor-