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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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184
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184 Reisebilder II.

Reiselust, unsere Begierde, fremde Länder zu sehen, besonders wiewir solche im Knabenalter empfinden, entsteht überhaupt durch jeneirrige Erwartung außerordentlicher Kontraste, durch jene geistigeMaskeradclust, wo wir Menschen und Denkweise unserer Heimat injene fremde Länder hineindenken, gmd solchermaßen unsere bestenBekannten in die fremden Kostüme und Sitten oermummen. Denkenwir z. B. an die Hottentotten, so sind es die Damen unserer Vater-stadt, die schwarz angestrichen und mit gehöriger Hinterfülle inunserer Vorstellung umhertanzen, während unsere jungen Schön-geister als Buschklepper auf die Palmbäume hinaufklettern; denkenwir an die Bewohner der Nordpol-Länder, so sehen wir dort eben-falls die wohlbekannten Gesichter, unsere Muhme fährt in ihremHundeschlitten über die Eisbahn, der dürre Herr Konrektor liegt aufder Bärenhaut und säuft ruhig seinen Morgcnthran, die FrauAccise-Eiunehmerin, die Frau Jnspektorin und die Frau Jnsibu-lationsrätin hocken beisammen und kauen Talglichtcr u. s. w. Sindwir aber in jene Länder wirklich gekommen, so sehen wir bald, daßdort die Menschen mit Sitten und Kostüm gleichsam verwachsen sind,daß die Gesichter zu den Gedanken und die Kleider zu den Bedürf-nissen Passen, ja daß Pflanzen, Tiere, Menschen und Land ein zu-sammenstimmendes Ganze bilden.

IV.

John Bull.

(Übersetzt aus einer englischen Beschreibung Londons.)

Es scheint, als ob die Jrländer durch ein unveränderliches Gesetzihrer Natur den Müßiggang als das echte, charakteristische Kenn-zeichen eines Gentlemans betrachten; und da ein jeder dieses Volkes,kann er auch aus Armut nicht einmal sein gentiles Hinterteil be-decken, dennoch ein geborener Gentleman ist, so geschieht es, daßverhältnismäßig wenige Sprößlinge des grünen Erin sich mit denKauflcuten der" City vermischen. Diejenigen Jrländer, welche wenigoder gar keine Erziehung genossen, und solcher zählt man wohl diemeisten, sind Taglohn-Gentlcmen sg;sntüsinsn ctaz'Ia.Ponrsrs), unddie übrigen sind Gentlemen an und für sich selbst. Könnten sie durcheinen raschen eoup cls inuin zum Genüsse eines merkantilischenReichtums gelangen, so würden sie sich wohl gerne dazu entschließen;aber sie können sich nicht auf drcifüßige Comptoirstühlchen nieder-lassen und über Pulte und lange Handelsbücher gebeugt liegen, umsich langsame Schätze zu erkuickcrn.