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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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Die Engländer. 181

gesehen, der in Tavistock-Tavern etwas Zncker zu seinem Blumen-tohl verlangt hat. eine Ketzerei gegen die strenge anglikanische Küche,worüber der Kellner fast rücklings fiel, indem gewiß seit der römi-schen Invasiv» der Blumenkohl in England nie anders als inWasser abgekocht und ohne süße Zuthat verzehrt worden. Es warderselbe Engländer, der, obgleich ich ihn vorher nie gesehen, sich znmir setzte und einen so zuvorkommend französischen Diskurs anfing,daß ich nicht umhin konnte, ihn: zu gestehen, wie sehr es mich freue,einmal einen Engländer zu finden, der nicht gegen den Fremdenzurückhaltend sei, worauf er ohne Lächeln ebenso freimütig entgegnete,daß er mit mir spräche, um sich in der französischen Sprache zu üben.

Es ist auffallend, wie die Franzosen täglich nachdenklicher, tieferund ernster werden, in eben dem Maße, wie die Engländer dahinstreben, sich ein legeres, oberflächliches und heiteres Wesen anzu-eignen: wie im Leben selbst, so auch in der Litteratur. Die Lon-doner Pressen sind vollauf beschäftigt mit fashionablen Schriften, mitRomanen, die sich in der glänzenden Sphäre des lüZch Irls bewegenoder dasselbe abspiegeln, wie z. B. ^.lnmoüs, Viviam tZr-sz^, Nrs-nmins, tbs Lirmrüs, ülirtmtäon, welcher letztere Roman die besteBezeichnung wäre für die ganze Gattung, für jene Koketterie mitausländischen Manieren und Redensarten, jene plumpe Feinheit,schwerfällige Leichtigkeit, saure Süßelei, gezierte Roheit, kurz für dasganze unerguiciliche Treiben jener hölzernen Schmetterlinge, die inden Sälen West-Londons herumflattern.

Dagegen welche Litteratur bietet uns jetzt die französische Presse,jene echte Repräsentantin des Geistes und Willens der Franzosen!Wie ihr großer Kaiser die Muße seiner Gefangenschaft dazu an-wandte, sein Leben zu diktieren, uns die geheimsten Ratschlüsse seinergöttlichen Seele zu offenbaren, und den Felsen von St. Helena ineinen Lehrstuhl der Geschichte zu verwandeln, von dessen Höhe dieZeitgenossen gerichtet und die spätesten Enkel belehrt werden: sohaben auch die Franzosen selbst angefangen, die Tage ihres Miß-geschicks, die Zeit ihrer politischen llnthätigkeit so rühmlich als mög-lich zu benutzen; auch sie schreiben die Geschichte ihrer Thatcn; jeneHände, die so lange das Schwert geführt, werden wieder ein Schreckenihrer Feinde, indem sie zur Feder greifen, die ganze Nation istgleichsam beschäftigt mit der Herausgabe ihrer Memoiren, und folgtsie meinem Rate, so veranstaltet sie noch eine ganz besondere Aus-gabe all nsum Oslpüini, mit hübsch kolorierten Abbildungen vonder Einnahme der Bastille, dem Tuilerieusturm u. dgl. in. "

Habe ich aber oben angedeutet, wie heutzutage" die Engländerleicht und frivol zu werden suchen, und in jene Affenhaut hinein-kriechen, die jetzt die Franzosen von sich abstreifen, so muß ich nach-träglich bemerken, daß ein solches Streben mehr aus der Nobilitt)