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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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175
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Gespräch auf der Tchemse. 175

Deutschen! Wenn sie auch Träumer sind, so haben doch mancheunter ihnen so schöne Träume geträumt, daß ich sie kaum vertauschenmöchte gegen die wachende Wirklichkeit unserer Nachbarn, Da wiralle schlafen und träumen, so können wir vielleicht die Freiheit ent-behren; denn unsere Tyrannen schlafen ebenfalls und träumen bloßihre Tyrannei. Nur damals sind wir erwacht, als die katholischenRömer unsere Traumfreiheit geraubt hatten; da handelten wir undsiegten, und legten uns wieder hin und träumten, O Herr, spottetnicht unserer Träumer, dann und wann, wie Somnambulen, sprechensie Wunderbares im Schlafe, und ihr Wort wird Saat der Freiheit,Keiner kann absehen die Wendung der Dinge, Der spleenige Brite,seines Weibes überdrüssig, legt ihr vielleicht einen Strick um denHals und bringt sie zum Verkauf nach Smithfield, Der flatterndeFranzose wird seiner geliebten Braut vielleicht treulos und verläßtsie, und tänzelt singend nach den Hofdamen fconrbisunss) seinesköniglichen PalasteS (palais roval), Der Deutsche wird aber seinealte Großmutter nie ganz von der Thiire stoßen, er wird ihr immerein Plätzchen am Herde gönnen, wo sie den horchenden Kindern ihreMärchen erzählen kann, Wenn einst, was Gott verhüte, in derganzen Welt die Freiheit verschwunden ist, so wird ein deutscherTräumer sie in seinen Träumen wieder entdecken,"

Während nun das Dampfboot, und auf demselben unser Ge-spräch, den Strom hinaufschwamm, war die Sonne untergegangen,und ihre letzten Strahlen beleuchteten das Hospital zu Greenwich, einimposantes palastglciches Gebäude, das eigentlich aus zwei Flügelnbesteht, deren Zwischenraum leer ist, und einen, mit einem artigenSchlößlciu gekrönten, waldgrünen Berg den Borbeifahrenden sehenläßt. Ans dem Wasser nahm jetzt das Gewühl der Schiffe immerzu, und ich wunderte mich, wie geschickt diese großen Fahrzeuge sicheinander ausweichen. Da grüßt im Begegnen manch ernsthaftfreundliches Gesicht, das mau nie gesehen hat, und vielleicht auch niewieder sehen wird. Man fährt sich so nahe vorbei, daß man sichdie Hände reichen könnte zum Willkommen und Abschied zu gleicherZeit. Das Herz schwillt beim Anblick so vieler schwellenden Segelund wird wunderbar aufgeregt, wenn vom Ufer her das verworreneSummen und die ferne Tanzmusik und der dumpfe Matrosenlärmherandröhnt. Aber im weißen Schleier des Abendncbels verschwim-men allmählich die Konturen der Gegenstände, und sichtbar bleibtnur ein Wald von Mastbäumen, die lang und kahl hervorragen.

Der gelbe Mann stand noch immer neben mir und schautesinnend in die Höhe, als suche er im Nebelhimmel die bleichen Sterne,Noch immer in die Höhe schauend, legte er die Hand auf meineSchulter, und in einem Tone, als wenn geheime Gedanken unwill-kürlich zu Worten werden, sprach er:Freiheit und Gleichheit! man