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Reisebilder II.
Kunz von der Rosen. Der Mann, dessen eigentliches Amt die Kurz-weil, und der dich nur belustigen sollte in guten Tagen, er dringtin deinen Kerker znr Zeit der Not; hier unter dem Mantel bringeich dir dein starkes Zepter und die schöne Krone — erkennst dumich nicht, mein Kaiser? Wenn ich dich nicht befreien kann, so willich dich wenigstens trösten, und du sollst jemanden um dich haben,der mit dir schwatzt über die bedränglichste Drangsal, und dir Muteinspricht, und dich lieb hat, und dessen bester Spaß und bestes Blutzu deinen Diensten steht. Denn du, mein Volk, bist der wahreKaiser, der wahre Herr der Lande — dein Wille ist souverän undviel legitimer, als jenes purpurne Rsl sst nobrs xlaisir, daS sichauf ein göttliches Recht beruft, ohne alle andere Gewähr als dieSalbadereien geschorener Gaukler — dein Wille, mein Volk, ist diealleinig rechtmässige Quelle aller Macht. Wenn du auch in Fesselndarniederliegst, so siegt doch am Ende dein gutes Recht, es uaht derTag der Befreiung, eine neue Zeit beginnt — mein Kaiser, dieNacht ist vorüber, und draußen glicht das Mvrgenrot.
Kunz von der Rosen, mein Narr, du irrst dich, ein blankesBeil hältst du vielleicht für eine Sonne, und das Morgenrot istnichts als Blut.
Nein, mein Kaiser, es ist die Sonne, obgleich sie im Westenhervorsteigt — seit sechstausend Jahren sah man sie immer aufgehenim Osten, da wird es wohl Zeit, daß sie mal eine Veränderungvornehme in ihrem Lauf.
Kunz von der Rosen, mein Narr, du hast ja die Schellen ver-loren von deiner roten Mütze, und sie hat jetzt so ein seltsamesAnsehen, die rote Mütze.
Ach, mein Kaiser, ich habe ob Eurer Not so wütend ernsthaftden Kopf geschüttelt, daß die närrischen Schellen abfielen von derMütze; sie ist aber darum nicht schlechter geworden.
Kunz von der Rosen, mein Narr, was bricht und kracht dadraußen?
Seid still! Das ist die Säge und Zimmermannsaxt, und baldbrechen zusammen die Pforten Eures Kerkers, und Ihr seid frei,mein Kaiser!
Bin ich denn wirklich Kaiser? Ach, es ist ja der Narr, der esmir sagt!
O, seufzt nicht, mein lieber Herr, die Kerkerluft macht Euch soverzagt; ivenu Ihr erst wieder Eure Macht errungen, fühlt Ihrauch wieder das kühne Kaiserblut in Euren Adern, und Ihr seidstolz wie ein Kaiser, und übermütig, und gnädig, und ungerecht,und lächelnd, und undankbar, wie Fürsten sind.
Kunz von der Rosen, mein Narr, wenn ich wieder frei werde,Was willst du daun ansangen?