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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
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Neisebilder II,

mehr so recht christlich ans alte Feuer der Hölle glauben, und sogarwähnen, sie habe sich in neuerer Zeit etwas abgekühlt und werdenächstens ganz und gar erlöschen, „Und wäre auch," rief er, „dieHölle am Erlöschen, so würde ich, ich mit meinem Atem die letztenglimmenden Kohlen wieder anfachen, daß sie wieder auflodern solltenzu ihrer alten Flammenglut," Hörte man nun die Stimme, diegleich dem Nordwind diese Worte hervorhculte, sah man das brennendeGesicht, den roten, büffelstarken Hals und die gewaltigen Fäuste desMannes, so hielt man jene höllische Drohung für keine Hyperbel,

1 liks tüis man, sagte Mylady.

Da haben Sie recht, antwortete ich, auch mir gefällt er besserals mancher unserer sanften, homöopathischen Seelenärzte, dieVernunft in einen Eimer Moralwasser schütten, und uns damit desSonntags zur Ruhe predigen.

Ja, Doktor, für seine Hölle habe ich Respekt; aber zu seinemHimmel Hab' ich kein rechtes Vertrauen; wie ich mich denn über-haupt in Ansehung des Himmels schon sehr früh in geheimen Zweifelverfing. Als ich noch klein war, in Dublin, lag ich oft auf demRücken im Gras, und sah in den Himmel, und dachte nach, obwohlder Himmel wirklich so viele Herrlichkeiten enthalten mag, wie mandavon rühmt. Aber, dacht' ich, ivie kommt's, daß von diesen Herr-lichkeiten niemals etwas herunterfällt, etwa ein brillantener Ohrringoder eine Schnur Perlen oder wenigstens ein Stückchen Ananas-kuchen, und daß immer nur Hagel oder Schnee oder gewöhnlicherRegen, uns von oben herab beschert wird? Das ist nicht ganzrichtig, dacht' ich —

Warum sagen Sie das, Mylady? Warum diese Zweifel nichtlieber verschweigen? Ungläubige, die keinen Himmel glauben, solltennicht Prvselytcn machen; minder tadelnswert ist die Prosclytenmachcreiderjenigen Leute, die einen süperben Himmel haben, und dessenHerrlichkeiten nicht selbstsüchtig allein genießen wollen, und deshalbihre Nebenmenschcn einladen, dran teil zu nehmen, und sich nichteher zufrieden geben, bis diese ihre gütige Einladung angenommen.

Ich habe mich aber immer gewundert, Doktor, daß manche reicheLeute dieser Gattung, die wir als Präsidenten, Vizepräsidenten oderSekretäre von Bekehrungsgesellschaften eifrigst bemüht sehen, etwaeinen alten verschimmelten Betteljuden himmelfähig zu machen undseine einstige Genossenschaft im Himmelreich zu erwerben, dennochnie dran denken, ihn schon jetzt auf Erden an ihren Genüssen teil-nehmen zu lassen, und ihn z, B, nie des Sommers auf ihre Land-häuser einladen, wo es gewiß Leckerbissen giebt, die dem armen Schelmebensogut schmecken würden, als genösse er sie im Himmel selbst,

DaS ist erklärlich, Mylady, die himmlischen Genüsse kosten sienichts, und es ist ein doppeltes Vergnügen, wenn wir so wohlfeiler-