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wird, und dein die salbende Ehre, die man den Gestorbenen erweist,schon jetzt gebührt und schon jetzt widerfährt; er lächelt gerührt hinabauf da? knieendc Weib, daS, getrieben von ahnender Liebesangst,jene barmherzige Thnt verrichtet, eine That, die nie vergessen wird,solange es leidende Menschen giebt, und die zur Erquickung allerleidenden Menschen durch die Jahrtausende duftet. Außer demJünger, der am Herzen Christi lag, und der auch diese That ver-zeichnet hat, scheint keiner von den Aposteln ihre Bedeutung zu fühlen,und der mit dem roten Barte scheint sogar, wie in der Schrift steht,die verdrießliche Bemerkung zu machen: Warum ist diese Salbe nichtverkauft um dreihundert Groschen, und den Armen gegeben? Dieserökonomische Apostel ist eben derjenige, der den Bcuwl führt, die Ge-wohnheit der Geldgeschäfte hat ihn abgestumpft gegen alle uneigen-nützigen Nardcndüfte der Liebe, er möchte Groschen dafür einwechselnzu einem nützlichen Zweck, und eben er, der Groschenwechsler, erwar es, der den Heiland verriet — um dreißig Silberlinge. Sohat das Evangelium auch symbolisch, in der Geschichte des Baukiersunter den Aposteln, die unheimliche Vcrführungsmacht, die im Gcld-sacke lauert, offenbart, und vor der Treulosigkeit der Geschäftsleutegewarnt. Jeder Reiche ist ein Judas Jschariot.
Sie schneiden ja ein verbissen gläubiges Gesicht, teurer Doktor,flüsterte Mhlady, ich habe Sie eben beobachtet, und, verzeihen Siemir, wenn ich Sie etwa beleidige, Sie sahen aus wie ein guter Christ.
Unter uns gesagt, das bin ich; ja, Christus —
Glauben Sie vielleicht ebenfalls, daß er ein Gott sei?
Das versteht sich, meine gute Mathilde, Es ist der Gott, denich am meisten liebe — nicht weil er so ein legitimer Gott ist, dessenVater schon Gott war und seit undenklicher Zeit die Welt beherrschte,sondern weil er, obgleich ein geborener Dauphin deS Himmels, den-noch, demokratisch gesinnt, keinen höfischen Ceremvuialprunk liebt,weil er kein Gott einer Aristokratie von geschorenen Schriftgclehrtenund galonniertcn Lanzenknechtcn, und weil er ein bescheidener Gottdes Volks ist, ein Bürgergott, nn von clisn oitoz'sn. Wahrlich,wenn Christus noch kein Gott wäre, so würde ich ihn dazu wählen,und viel lieber als einem aufgezwungenen absoluten Gottc würdeich ihm gehorchen, ihm, dem Wahlgotte, dem Gotte meiner Wahl.
Kapitel vm.
Der Erzbischvf, ein ernster Greis, las selber Messe, und, ehrlichgestanden, nicht bloß ich, sondern einigermaßen auch Mhlady, wirwurden heimlich berührt von dem Geiste, der in dieser heiligen Hand-lung wohnt, und von der Weihe des alten Mannes, der sie vollzog;— ist ja doch jeder alte Manu an und für sich ein Priester, unddie Ceremouien der katholischeil Messe, sind sie doch so uralt, daß sie