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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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Die Bäder von Lucca. 123

und geistlichen Hintersassen hingab. Ja, es geht eine uralte Sageunter den Völkern des Orients und Occidents, daß jede gute oderböse That ihre nächsten Folgen habe für den Thäter. Und kommenwird der Tag, wo sie kommen mach dich darauf gefaßt, lieberLeser, daß ich jetzt etwas in Pathos gerate und schauerlich werde

kommen wird° der Tag, wo sie dem Tartaros entsteigen, diefurchtbaren Töchter der Nacht,die Enmenideu", Beim Styx!bei diesem Flusse schwören wir Götter niemals falsch kommenwird der Tag, wo sie erscheinen, die dunkeln, urgerechten Schwestern,sie werden erscheinen mit schlangengelockten, rvterziirnten Gesichtern,mit denselben Schlangengeißeln, womit sie einst den Orestes gegeißelt,den unnatürlichen Sünder, der die Mutter gemordet, die tyndaridischeKlytämnestra, Vielleicht hört der Graf schon jetzt die Schlangenzischen ich bitte dich, lieber Leser, denk' dir jetzt die Wolfsschluchtund Samielmusik vielleicht erfaßt den Grafen schon.jetzt das ge-heime Sündergrauen der Himmel verdüstert sich, Nachtgevögelkreischt, ferne Donner rollen, es blitzt, es riecht nach Kolophonium

Wehe! Wehe! die erlauchten Ahnen steigen aus den Gräbern,sie rufen noch drei- bis viermal Wehe! Wehe! über den kläglichenEnkel, sie beschwören ihn, ihre alten Eisenhofen anzuziehen, nur sichzu schützen vor den entsetzlichen Ruten denn die Enmeniden wer-den ihn damit zerfetzen, die Geißelschlangen werden sich ironisch anihm vergnügen, und wie der buhlerische König Rodrigo, als manihn in den Schlangentnrm gesperrt, wird auch der arme Graf amEnde wimmern und winseln:

Ach! sie fressen, ach! sie fressen,

Womit meistens ich gesündigt.

Entsetze dich nicht, lieber Leser, es ist ja alles nur Scherz.Diese furchtbaren Enmeniden sind nichts als ein heiteres Lustspiel,das ich nach einigen Lustren unter diesem Titel schreiben werde, unddie tragischen Verse, die dich eben erschreckt, stehen im allerlustigstenBuche von der Welt, im Don Qnixote von la Mancha, wo eine alte,anständige Hofdame sie in Gegenwart des ganzen Hofes reeitiert.Ich sehe," du lächelst wieder. Laß uns heiter und lachend voneinanderAbschied nehmen. Wenn dieses letzte Kapitel etwas langweilig war,so lag's nur an dein Gegenstände; auch schrieb ich es mehr zumNutzen als zur Lust, und wenn es mir gelungen ist, einen neuenNarren auch für die Litteratur brauchbar gemacht zu haben, wirdmir das Vaterland Dank schuldig sein. Ich habe das Feld urbargemacht, worauf geistreichere Schriftsteller säen und ernten werden.Das bescheidene Bewußtsein dieses Verdienstes ist mein schönster Lohn.

Für etwaige Könige, die mir dafür noch extra eine Tabatiereschicken wollen, bemerke ich, daß die BuchhandlungHoffmann und