Die Biider von Lncca, 71
Hyacinth! — sprach jetzt Gumpelino, der durch diese SchmeicheleietwaS besänftigt worden, — Hyacinth, geh jetzt zu —
Ich weis; schon —
Du weißt nicht, sage ich dir, Hyacinth —
Ich sag' Ihnen, Herr Gumpel, ich weiß, Ew. Excellenz schickenmich jetzt zu der Lady Maxfield — Mir braucht man gar nichts zusagen. Ich weiß Ihre Gedanken, die Sie noch gar nicht gedacht, undvielleicht Ihr Lebtag gar nicht denken werden. Einen Bedienten wiemich bekommen Sie nicht so leicht — und ich thn' es der Ehre wegenund der Bildung wegen, und wirklich, man hat Ehre bei Ihnen undbildet sich — Bei diesem Worte putzte er sich die Nase mit einemsehr weißen Taschentuche,
Hyacinth, sprach der Marchese, du gehst jetzt zu der Lady JulieMaxfield, zu meiner Julia, und bringst ihr diese Tulpe — nimmsie in acht, denn sie kostet fünf Paoli — und sagst ihr —
Ich weiß schon —
Du weißt nichts. Sag ihr: Die Tulpe ist unter den Blumen —Ich weiß schon, Sie wollen ihr etwas durch die Blume sagen.Ich habe für so manches Lotterielos in meiner Kollekte selbst eineDevise gemacht —
Ich sage dir, Hyacinth, ich will keine Devise von dir. Bringediese Blume an Lady Maxfield, und sage ihr:
Die Tulpe ist unter den Blumen,
Was unter den Käsen der Strachinv;
Doch mehr als Blumen und KäseVerehrt dich Gumpclinv!
So wahr mir Gott alles Guts gebe, daS ist gut! — rief Hya-cinth — Winken Sie mir nicht, Herr Marchese; was Sie wissen, dasweiß ich, und was ich weiß, das wissen Sie, Und Sie, Herr Doktor,leben Sie wohl! Um die Kleinigkeit mahne ich Sie nicht, — Beidiesen Worten stieg er den Hügel wieder hinab, und murmelte be-ständig: Gumpelino Strachinv — Strachino Gumpelino —
Es ist ein treuer Mensch — sagte der Marchese — sonst hätteich ihn längst abgeschafft, wegen seines Maugels an Etikette, BorIhnen hat das nichts zu bedeuten, Sie verstehen mich. Wie gefälltIhnen seine Livree? Es sind noch für vierzig Thaler mehr Tressendran, als an der Livree von Rothschilds Bedienten, Ich habe inner-lich mein Vergnügen, wie sich der Mensch bei mir perfektioniert.Dann und wann gebe ich ihm selbst Unterricht in der Bildung, Ichsage ihm oft: Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aberBildung bleibt. Ja, Herr Doktor, wenn ich, was Gott verhüte, meinGeld verliere, so bin ich doch noch immer ein großer Kunstkenner,ein Kenner von Malerei, Musik und Poesie, Sie sollen mir die