Reise von München nach Genna, 37
wollüstig fächerten, kokettierende Balsaminen, Hyacinthen mit hübschenleeren Glockeuköpfchen, hinterher ein Troß von schnurrbärtigen Nar-cissen und tölpelhaften Ritterspvren, An der Ecke zankten sich zweiMaßliebchen, Aus dem Fenster eines alten Hauses von krankhaftemAussehen guckte eine gesprenkelte Levkoje, gar närrisch buntgepntzt,und hinter ihr erklang eine niedlich duftende Veilchenstimme, Aufdem Balkon des großen Palazzos am Markte war der ganze Adelversammelt, die hohe Noblesse, nämlich jene Lilien, die nicht arbeitenund nicht spinnen und sich doch ebenso prächtig dünken wie KönigSolomon in all seiner Herrlichkeit, Auch die dicke Obstfrau glaubteich dort zu sehen; doch als ich genauer hinblickte, war es nur eineverwinterte Ranunkel, die gleich auf mich loskeifte: „Was wollenSie unreife Blüte? Sie saure Jurke? Sie ordinäre Blume mitman eenen Stoobfaden? Ich will ,Ihnen schon begießen!" VorAngst eilte ich in den Dom, und überrannte fast ein altes hinkendesStiefmütterchen, das sich von einem Gänseblümchen das Gebetbuchnachtragen ließ. Im Dome aber war es wieder recht angenehm; inlangen Reihen saßen da Tulpen von allen Farben und bewegtenandächtig die Köpfe, Im Beichtstuhl saß ein schwarzer Rettich, undvor ihm kniete eine Blume, deren Gesicht nicht zum Vorschein kam.Doch sie duftete so wohlbekannt schauerlich, daß ich seltsamerweisewieder an die Nachtviole dachte, die im Zimmer stand, wo die toteMaria lag.
Als ich wieder aus dem Dome trat, begegnete mir ein Leichen-zug von lauter Rosen mit schwarzen Floren und weißen Taschen-tüchern, und ach! auf der Bahre lag die srühzerrissene Rose, die icham Busen der kleinen Harfenistin kennen gelernt, Sie sah jetzt nochviel anmutiger aus, aber ganz kreideblaß, eine weiße Rosenleiche,Bei einer kleinen Kapelle wurde der Sarg niedergesetzt; da gab esnichts als Weinen und Schluchzen, und endlich trat eine alte Klatsch-rose hervor und hielt eine lange Leichenpredigt, worin sie vielschwatzte von den Tugenden' der Hingeschiedenen, von einem irdischenKatzenjammerthal, von einem besseren Sein, von Liebe, Hoffnungund Glaube, alles in einem näselnd singenden Tone, eine breit-gewässerte Rede, und so lang und langweilig, daß ich davon erwachte,
Kapitel XXII.
Mein Vetturin hatte früher denn Helios seine Gäule angeschirrt,und schon um Mittagszeit erreichten wir Ala, Hier Pflegen dieVetturine einige Stunden zu halten, um ihre Wagen zu wechseln.
Ala ist schon ein echt italienisches Nest, Die Lage ist Pittoresk,an einem Berghang, ein Fluß rauscht vorder, heitergrüne Weinrebenumranken hie und da die übereinander stolpernden, zusammengeflicktenBettlerpaläste, Au der Ecke des windschiefen Marktes, der so klein