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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
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24 Reisebilder II.

himmelhohe Berge, die mich ernsthaft ansahen, nnd mir mit den un-geheuren Häuptern nnd langen Wolkenbärten eine glückliche Reisezunickten. Hie und da bemerkte ich auch ein fernblaues Berglen:,das sich auf die Fußzehen zu stellen schien, und den andern Bergenrecht neugierig über die Schultern blickte, wahrscheinlich um mich zusehen. Dabei kreischten überall die Waldbttche, die sich wie toll vonden Höhen herabstürzten und in den dunkeln Thalstrudeln ver-sammelten. Die Menschen steckten in ihren niedlichen, netten Häus-chen, die über der Halde an den schroffsten Abhängen und bis ausdie Bergspitzen zerstreut liegen; niedliche nette Häuschen, gewöhnlichmit einer langen, balkonartigen Galerie, und diese wieder mit Wäsche,Heiligenbildchen, Blumentöpfen und Mädchengesichtern ausgeschmückt.Auch hübsch bemalt sind diese Häuschen, meist weiß und grün, alstrügen sie ebenfalls die Tiroler Landestracht, grüne Hosenträger überdein weißen Hemde. Wenn ich solch Häuschen im einsamen Regenliegen sah, wollte mein Herz oft aussteigen und zu den Menschengehen, die gewiß trocken nnd vergnügt da drinnen saßen. Da drinnen,dacht' ich, muß sich's recht lieb und innig leben lassen, und die alteGroßmutter erzählt gewiß die heimlichsten Geschichten. Während derWagen unerbittlich vorbeifuhr, schaut' ich noch oft zurück, um diebläulichen Rauchsäulen aus den kleinen Schornsteinen steigen zusehen, nnd es regnete dann immer stärker, außer mir nnd in mir,daß nur fast die Tropfen aus den Augen herauskamen.

Oft hob sich auch mein Herz, und trotz den: schlechten Wetterklomm es zu den Leuten, die ganz oben auf den Bergen wohnen,und vielleicht kaum einmal in: Leben Herabkommen, und wenig er-fahren von dem, was hier unten geschieht. Sie sind deshalb umnichts minder fromm und glücklich. Bon der Politik wissen sie nichts,als daß sie einen Kaiser haben, der einen weißen Rock und roteHosen trägt; das hat ihnen der alte Ohm erzählt, der es selbst inInnsbruck gehört von dem schwarzen Sepperl, der in Wien gewesen.Als nun die Patrioten zu ihnen hinaufkletterten und ihnen bcredt-sam vorstellten, daß sie jetzt einen Fürsten bekommen, der einenblauen Rock und weiße Hosen trage, da griffen sie zu ihren Büchsen,und küßten Weib und Kind, und stiegen von den Bergen hinab,und ließen sich totschlagen für den weißen Rock und die lieben altenroten Hosen.

Im Grunde ist es auch dasselbe, für was man stirbt, wennnur für etwaS Liebes gestorben wird, und so ein warmer, treuer Todist besser, als ein kaltes, treuloses Leben. Schon allein die Liedervon einen: solchen Tode, die süßen Reime und lichten Worte erwär-men unser Herz, wenn feuchte Nebelluft und zudringliche Sorgen esbetrüben wollen.

Viel solcher Lieder klangen durch mein Herz, als ich über die