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Reisebilder H.
suchte dagegen ernsthafte Maßregeln zu ergreifen; bloß die größerenDummheiten durften noch gedruckt werden, die kleineren erlaubte mannur in Gesprächen, solche Erlaubnis erstreckte sich nur auf Professurenund hohe Staatsbeamte, geringere Leute durften ihre Dummheitenbloß im verborgenen laut werden lassen; — aber alle diese Vor-kehrungen halfen nichts, die unterdrückten Dummheiten traten beiaußerordentlichen Anlässen desto gewaltiger hervor, sie wurden sogarheimlich von oben herab protegiert, sie stiegen öffentlich von untenhinauf, die Not war groß, bis endlich ein rückwirkendes Mittel er-funden ward, wodurch man jede Dummheit gleichsam ungeschehenmacheu und sogar in Weisheit umgestalten kann. Dieses Mittel istganz einfach, und besteht darin, daß man erklärt, man habe jeneDummheit bloß aus Ironie begangen oder gesprochen. So, liebesKind, avanciert alles in dieser Welt, die Dummheit wird Ironie, ver-fehlte Speichelleckerei wird Satire, natürliche Plumpheit wird kunst-reiche Persiflage, wirklicher Wahnsinn wird Humor, Unwissenheitwird brillanter Witz, und du wirst am Ende noch die ASPasia desneuen Athens.
Ich hätte noch mehr gesagt, aber das schöne Nannerl, das ichunterdessen am Schürzenzipfel festhielt, riß sich gewaltsam los, alsman von allen Seiten „A Bier! N Bier" gar zu stürmisch forderte.Der Berliner aber sah aus wie die Ironie, selbst, als er bemerkte,mit welchem Enthusiasmus die hohen schäumenden Gläser in Empfanggenommen wurden; und indem er auf eine Gruppe Biertrinker hin-deutete, die sich den Hopfennektar von Herzen schmecken ließen, undüber dessen Vortrefflichkeit disputierten, sprach er lächelnd: Daswollen Athenienser sind?
Die Bemerkungen, die der Mann bei dieser Gelegenheit nach-schob, thaten mir ordentlich weh, da ich für unser neues Athen keinegeringe Vorliebe hege, und ich bestrebte mich daher, dem raschenTadler zu bedeuten, daß wir erst seit kurzem auf den Gedanken ge-kommen sind, uns als ein neues Athen aufzuthun, daß wir erstjunge Anfänger sind, und unsere großen Geister, ja unser ganzesgebildetes Publikum noch nicht danach eingerichtet ist, sich in derNähe sehen zu lassen. Es ist alles noch im Entstehen, und wir sindnoch nicht komplett. Nur die untersten Fächer, lieber Freund, fiigteich hinzu, sind erst besetzt, und es wird Ihnen nicht entgangen sein,daß wir z. B. an Eulen, Sykophanten und Phrynen keinen Mangelhaben. Es fehlt uns nur an dem höheren Personal, und manchermuß mehrere Rollen zu gleicher Zeit spielen. Z. B. unser Dichter*),der die zarte griechische Knabenliebe besingt, hat auch die aristopha-nische Grobheit übernehmen müssen; aber er kann alles machen, er
Platea.