166 Shakespeares Mädchen und Frauen,
Ursachen und Wirkungen einfügt, das ist hier kaum angedeutet, nurfür einen Augenblick hingeworfen, um einen flüchtigen Effekt zn er-zielen und sich ebcnsoschnell in einer neuen Verknüpfung zu verlieren,"In der That, der Elefant hat recht: das Wesen der Shake-spearcschen Komödie besteht in der bunten Schmettcrlingslanne,womit sie von Blume zn Blume dahingankelt, selten den Boden derWirklichkeit berührend. Nur im Gegensatz zu der realistischen Komödieder Alten und der Franzosen läßt sich von der ShakcspcarcschenKomödie etwas Bestimmtes aussagen.
Ich habe vorige Nacht lange darüber nachgegrübelt, ob ich nichtdennoch von dieser unendlichen und unbegrenzten Gattung, von derKomödie des Shakespeare, eine positive Erklärung geben könnte.Nach langem Hin und Hersinncn schlief ich endlich ein, und mirträumte, es sei sternenhelle Nacht und ich schwämme in einem kleinenKahn auf einem Ivetten, weiten See, wo allerlei Barken, angefülltmit Masken, Musikanten und Fackeln, tönend und glänzend, manch-mal nah, manchmal ferne, an mir vorbeifuhren. Das warenKostüme ans allen Zeiten und Landen, altgricchische Tuniken, mittel-alterliche Rittermäntel, orientalische Turbane, Schäfcrhüte mitflatternden Bändern, wilde und zahme Tierlarvcn , , , Zuweilennickte mir eine wohlbekannte Gestalt , . . Zuweilen grüßten ver-traute Weisen , , . Aber das zog immer schnell vorüber, undlauschte ich eben den Tönen der freudigen Melodie, die mir auseiner dahingleitenden Barke entgegenjubelten, so verhallten sie bald,und anstatt der lustigen Fiedeln erscufztcn neben mir die melancholischenWaldhörner einer andern Barke . , , Manchmal trug der Nacht-wind beides zu gleicher Zeit an mein Ohr, und da bildeten diesegemischten Töne eine selige Harmonie . , . Die Wasser erklangenvon unerhörtem Wohllaut, und brannten im magischen Wicderschcinder Fackeln, und die bnntbewimpeltcn Lustschiffe mit ihrer abenteuer-lichen Maskenwelt schwammen in Licht und Musik , . . Eineanmutige Fraucngestalt, die am Steuer einer jener Barken stand,rief mir im Vorbeifahren: Nicht wahr, mein Freund, du hättestgern eine Definition von der Shakespcareschen Komödie? Ich weiß nicht,ob ich es bejahte, aber das schöne Weib hatte zu gleicher Zeit ihre Handins Wasser getaucht und mir die klingenden Funken ins Gesicht ge-spritzt, so daß ein allgemeines Gelächter erscholl, und ich davon erwachte.Wer war jene anmutige Franengestalt, die mich solchermaßenim Traume neckte? Auf ihrem idealisch schönen Haupte saß einebuntscheckige gehörnte Schellenkappe, ein weißes Atlaskleid mitflatternden Bändern umschloß die fast allzuschlanken Glieder, undvor der Brust trug sie eine rotblühende Distel, Es war vielleichtdie Göttin der Capriec, jene sonderbare Muse, die bei der GeburtRosalindenS, Beatriees, Titanias, Violas und wie sie sonst heißen,