Komödien. 16?
stcllers erwähne, welcher mit einigem Geschick die ShakespeareschcnKomödien nachahmte, nnd schon durch die Wahl seiner Muster eineseltene Empfänglichkeit für wahre Dichtkunst beurkundete. Dieser istHerr Alfred de Musset. Er hat Nor etwa fünf Jahren einige kleineDramen geschrieben, die, was den Bau und die Weise betrifft, ganzden Komödien des Shakespeare nachgebildet sind. Besonders hat ersich die Capricc (nicht den Humor), die in denselben herrscht, mit fran-zösischer Leichtigkeit zu eigen gemacht. Auch an einiger, zwar sehrdünndrähtigcr, aber doch probehaltigcr Poesie fehlte es nicht in diesenhübschen Kleinigkeiten. Nur war zu bedanern, daß der damals jugend-liche Verfasser, außer der französischen Übersetzung des Shakespeare,auch die des Byron gelesen hatte, nnd dadurch verleitet ward, imKostüme des spleenigen Lords jene Übersättigung und Lebenssattheitzu affektieren, die in jeuer Periode unter den jungen Leuten zu ParisMode war. Die rosigsten Knübchen, die gesundesten Gelbschnäbel be-haupteten damals, ihre Genußfähigkeit sei erschöpft, sie erheuchelteneine greisenhafte Erkältung des Gemütes, und gaben sich ein zer-störtes und gähnendes Aussehen.
Seitdem freilich ist unser armer Monsieur Musset von seinemJrrtumc zurückgekommen, und er spielt nicht mehr den Blase inseineu Dichtungen, — aber ach! seine Dichtungen enthalten jetzt, stattder simulierten Zerstörnis, die weit trostloseren Spuren eines wirk-lichen Verfalls seiner Leibes- und Seelenkräfte . . . Ach! dieserSchriftsteller erinnert mich an jene künstlichen Ruinen, die man in denSchloßgärtcn des achtzehnten Jahrhunderts zu erbauen Pflegte, an jeneSpielereien einer kindischen Laune, die aber im Laufe der Zeit unserwehmütigstes Mitleid in Anspruch nehmen, wenn sie in allem Ernsteverwittern nnd vermodern und in wahrhafte Ruinen sich verwandeln.
Die Franzosen sind, wie gesagt, wenig geeignet, den Geist derShakcspeareschen Komödien aufzufassen, und unter ihren Kritikernhabe ich, mit Ausnahme eines einzigen, niemand gefunden, der auchnur eine Ahnung von diesem seltsamen Geiste besäße. Wer ist das?Wer ist jene Ausnahme? Gutzkow sagt, der Elefant sei der Dok-trinär unter den Tieren, lind ein solcher verständiger und sehrschwerfälliger Elefant hat das Wesen der Shakespeareschcn Komödieam scharfsinnigsten aufgefaßt. Ja, man sollte es kaum glauben, es istHerr Guizot, welcher über jene graziösen nnd mutwilligsten Luftgebildeder modernen Muse das Beste geschrieben hat, und zur Verwunderungnnd Belehrung des Lesers übersetze ich hier eine Stelle aus einerSchrift, die im Jahr 18Z2 bei Ladvocat in Paris erschienen, und »OsLpaRsspsurg st cks 1a, Lossis ckrarvatigns, pur ?. (Zni?ot/ betitelt ist.
„Jene Shakespeareschen Komödien gleichen weder der Komödie desMolisrc noch des Aristophanes oder der Römer. Bei den Griechen,nnd in der neueren Zeit bei den Franzosen, entstand, die Komödie
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