158 Shakespeares Madchen und Frauen.
nullen verpflichtet werden. Bis zum Tode meiner Mutter halte ichmir nur noch drei Leute und einen Burschen. Wenn daS aber auchist, so leb' ich doch immer noch so gut als ein armer Junker.
Anne. Ohne Euer Gestrengen darf ich nicht hineinkommen.Man wird sich nicht eher setzen, als bis Ihr kommt.
Katharina (Die gezähmte Keifcrin. Akt II, Scene I).Prtruchio. Nimm an, sie schmählt; nun, ruhig sag' ich ihr,Sie singe lieblich wie die Nachtigall.
Nimm an, sie mault, ich sag', ihr Blick sei klarWie Morgcnrosen, frisch getränkt vom Tau.
Nimm an, sie muckt und redet nicht ein Wort;
Dann preis' ich ihre ZungenfertigkeitUnd ihres Vortrags zanbrische Gewalt.
Ruft sie mir: Packt Euch fort! ich sag' ihr Dank,
Als ob sie sagte: Bleib die Woche hier!
Schlägt sie die Heirat ab: „Wann," frag ich, „sollDas Aufgebot sein, wann der Hochzeitstag?" —
Doch seht, sie kommt; nun sprich, Petrnchio!
Guten Morgen, Käth'; ich hör', Eu'r Nam' ist das.Kathnrinn. Ihr hörtet recht, obgleich halbtauben Ohrs;
Alan sagt Kathrina, redet man von mir.
Prtruchio. Ihr lügt fürwahr; bloß Käthe nennt man Euch,Und rasche Käth', auch wohl erzböse Käth'.
In den einleitenden Blättern dieses Bildcrsaals habe ich berichtet,ans welchen Wegen sich die Popularität Shakespeares in England undDeutschland verbreitete, und wie hier und dort ein Verständnis seinerWerke befördert ward. Leider konnte ich in Bezug auf romanischeLänder keine so erfreuliche Nachrichten mitteilen; in Spanien ist derName unseres Dichters bis auf heutigen Tag ganz unbekannt geblieben;Italien ignoriert ihn vielleicht absichtlich, um den Ruhm seiner großenPoeten vor transalpinischer Nebenbuhlerschaft zu beschützen; undFrankreich, die Heimat des herkömmlichen Geschmacks und des gebildetenTons, glaubte lange Zeit den großen Briten hinlänglich zu ehren,wenn es ihn einen genialen Barbaren nannte, und über seine Roheitso wenig als möglich spöttelte. Indessen, die politische Revolution,welche dieses Land erlebte, hat auch eine littcrarische hervorgebracht,die vielleicht an Terrorismus die erstere überbietet, und Shakespeareward bei dieser Gelegenheit auf den Schild gehoben. Freilich, wiein ihren politischen Umwülzniigsversuchen, sind die Franzosen seltenganz ehrlich in ihren litterarischen Revolutionen; wie dort, so auchhier, preisen und feiern sie irgend einen Helden, nicht ob seinem wahren