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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
155
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Komödien, 183

mit meinem Gesicht zu »erhandeln? Jetzt seid Ihr ans Eurem Textgekommen. Doch will ich den Vorhang wegziehen und Euch das Ge-mälde weisen, (Sie entschleiert sich.) Seht, Herr, so sah ich in diesemAugenblick ans, Ist die Arbeit nicht gut?

Viola. Bortrefflich, wenn sie Gott allein gemacht hat,

Olidia. Es ist echte Farbe, Herr; es hält Wind und Wetter ans.Viola. S' ist reine Schönheit, deren Rot und WeißNatur mit zarter, schlauer Hand verschmelzte.

Fräulein, Ihr seid die Grausamste, die lebt,

Wenn Ihr zum Grabe diese Reize tragt,

Und laßt der Welt kein Abbild.

Viola (Was ihr wollt. Akt II, Scene V).

Viola. Mein Vater halt' eine Tochter, welche liebte,

Wie ich vielleicht, wär ich ein Weib, mein Fürst,

Euch lieben würde.

Herzog. Was war ihr Lebenslauf?

Viola. Ein leeres Blatt,

Mein Fürst. Sie sagte ihre Liebe nie.

Und ließ Verheimlichung, wie in der KnospeDen Wurm, an ihrer Purpurwange nagen.

Sich härmend, und in bleicher, welker SchwermutSaß sie wie die Geduld auf einer Gruft,

Dem Grame lächelnd. Sagt, war das nicht Liebe?

Wir Männer mögen leicht mehr sprechen, schwören,

Doch der Verheißung steht der Wille nach

Wir sind in Schwüren stark, doch in der Liebe schwach.

Herzog. Starb deine Schwester denn an ihrer Liebe?

Viola! Ich bin, was aus des Vaters Haus von TöchternUnd auch von Brüdern blieb

Maria (Was ihr wollt. Akt I, Scene III).

Junker Andreas. Schönes Frauenzimmer, denkt

Ihr, Ihr hättet Narren am Seile?

Maria. Nein, ich habe Euch nicht am Seile.

Junker Andreas. Ihr sollt mich aber am Seile haben, hierist meine Hand.

Maria. Nun, Herr, Gedanken sind zollfrei; aber mich däncht,Ihr könntet sie immer ein bißchen in den Keller tragen, und ihnenzu trinken geben.

Junker Andreas. Wozu, mein Engelchen? Was soll die ver-blümte Redensart?

Maria. Sie ist trocken, Herr.