IZ4 Shakespeares Mädchen und Frauen.
Und doch in dies unhaltbar Ivette Sieb
Gieß' ich beständig meiner Liebe Flut.
Die nimmer doch erschöpft wird; gleich dem Inder,
Wahngläubig fromm, andächtig bet' ich an
Die. Sonne, die da schauet auf den Beter,
Doch mehr von ihm nicht weiß. O teure Herrin,
Laßt Euren Haß nicht meine Liebe treffen,
Weil sie dasselbe liebt wie Ihr!
Cclia (Wie es euch gefällt. Akt I, Scene II).
Rosalindc. Das will ich von nun an, Muhmchen, und aufSpaße denken. Laß sehen, was hältst du vom Verlieben?
Cclia. Ei, ja, thu's, um Spaß damit zu treiben. Aber liebe keinenMann in wahrem Ernst, auch zum Spaß nicht weiter, als daß dumit einem unschuldigen Erröten in Ehren wieder davon kommen kannst.
Rosalindc. Was wollen wir denn für Spaß haben?
Cclia. Laß uns sitzen und die ehrliche Hausmutter Fortunavon ihrem Rade weglästern, damit ihre Gaben künftig gleicher aus-geteilt werden mögen.
Rosalindc. Ich wollte, wir könnten das; denn ihre Wohl-thaten sind oft gewaltig übel angebracht, und am meisten versiehtsich die freigebige blinde Frau mit ihren Geschenken an Frauen.
Cclia. Das ist wahr; denn die, welche sie schön macht, macht sieselten ehrbar, und die, welche sie ehrbar macht, macht sie sehr häßlich.
Rosalindc (Wie es euch gefällt. Akt III, Scene II).
Cclia. Hast du diese Verse gehört?
Rosalindc. O ja, ich hörte sie alle und noch was drüber, denneinige hatten mehr Füße als die Verse tragen konnten.
Cclia. Das thut nichts, die Füße konnten die Verse tragen.
Rosalindc. Ja, aber die Füße waren lahm und konnten sich nichtaußerhalb des Verses bewegen, und darum standen sie so lahm im Verse.
Cclia. Aber hast du gehört, ohne dich zu wundern, daß deinName an den Bäumen hängt und eingeschnitten ist?
Rosalinde. Ich war schon sieben Tage in der Woche überalles Wundern hinaus, ehe du kamst; denn sieh nur, was ich an einemPalmbaum fand. Ich biu nicht so bereimt worden seit Pythagoras'Zeiten, wo ich eine Ratte war, die sie mit schlechten Versen vergifteten,dessen ich mich kaum noch erinnern kann.
Oliliia (WaS ihr wollt. Akt I, Scene V).
Viola. Liebes Fräulein, laßt mich Euer Gesicht sehen.
Olidin. Habt Ihr irgend einen Auftrag von Eurem Herrn,