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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
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142
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142 Shakespeares Mädchen und Frauen.

Freunde verleidet, meine Feinde gehetzt. Und was hat er fürGrund? Ich bin ein Jude. Hat nicht ein Jude Augen? Hatnicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen,Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselbenWaffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselbenMitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dein Winterund Sommer, als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, blutenwir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihruns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt,sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingenähnlich, so wollen wir's euch auch darin gleich thun. Wenn einJude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache.Wenn ein Christ einen Inden beleidigt, was muß seine Geduldsein nach christlichem Vorbild? Nu, Rache. Die Bosheit, dieer mich lehrt, die will ich ausüben, und es muß schlimm her-gehen, oder ich will es meinen Meistern zuvorthnn."

Nein, Shylock liebt zwar das Geld, aber es giebt Dinge, dieer noch weit mehr liebt, unter andern auch seine Tochter,Jessika,mein Kind". Obgleich er in der höchsten Leidenschaft des Zorns sieverwünscht und tot zu seinen Füßen liegen sehen möchte, mit denJuwelen in den Ohren, mit den Dukaten im Sarg, so liebt er siedoch mehr als alle Dukaten und Juwelen. Aus dem öffentlichenLeben, aus der christlichen Societttt zurückgedrängt in die enge Um-friedung häuslichen Glückes, blieben ja dem armen Juden nur dieFamiliengefühle, und diese treten bei ihm hervor mit der rührend-sten Innigkeit. Den Türkis, den Ring, den ihm einst seine Gattin,seine Lea, geschenkt, er hätte ihn nichtfür einen Wald von Affen"hingegeben. Wenn in der Gerichtsscene Bassanio folgende Wortezum Antonio spricht:

Ich Hab' ein Weib zur Ehe, und sie istSo lieb mir als mein Leben selbst, doch giltSie höher als dein Leben nicht bei mir.

Ich gäbe alles hin, ja opfert' alles,

Das Leben selbst, mein Weib und alle Welt,

Dem Teufel da, um dich nur zu befreinwenn Graziano ebenfalls hinzusetzt:

Ich Hab' ein Weib, die ich auf Ehre! liebe;

Doch wünscht' ich sie im Himmel, könnt' sie MächteDort flehn, den hiind'schen Juden zu erweichendann regt sich in Shylock die Angst ob dem Schicksal seiner Tochter,die unter Menschen, welche ihre Weiber aufopfern könnten für ihreFreunde, sich verheiratet hat, und nicht laut, sondernbeiseite"sagt er zu sich selber:

So sind die Christenmänner! Ich Hab' 'ne Tochter;