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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
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134
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134 Shakespeares Mädchen und Frauen,

hinter mir Nacht" . . . Sic ist eine wandelnde Flamme zwischenzwei Finsternissen , . . Woher entsteht sie? , , , Aus unbegreiflichwinzigen Fünkchen! . . , Wie endet sie? , , , Sic erlöscht spurlos,ebenso unbegreiflich , , , Je wilder sie brennt, desto früher erlöschtsie . . , Aber das hindert sie nicht, sich ihren lodernden Triebenganz hinzugeben, als dauerte ewig dieses Feuer,

Ach, wenn man zum zweitenmal im Leben von der großenGlut erfaßt wird, so fehlt leider dieser Glaube an ihre Unsterblichkeit,und die schmerzlichste Erinnerung sagt uns,, daß sie sich am Endeselber aufzehrt , . , Daher die Verschiedenheit der Melancholie beider ersten Liebe und bei der zweiten . . , Bei der ersten denkenwir, daß unsere Leidenschaft nur mit tragischem Tode endigen müsse,und in der That, wenn nicht anders die entgegendrohenden Schwierig-keiten zu überwinden sind, entschließen wir uns leicht, mit der Ge-liebten ins Grab zu steigen , , . Hingegen bei der zweiten Liebeliegt uns der Gedanke im Sinne, daß unsere wildesten und herr-lichsten Gefühle sich mit der Zeit in eine zahme Lauheit verwandeln,daß wir die Augen, die Lippen, die Hüften, die uns jetzt so schauer-lich begeistern, einst mit Gleichgültigkeit betrachten werden . . . Ach!dieser Gedanke ist melancholischer als jede Todesahnung! , , , Dasist ein trostloses Gefühl, wenn wir im heißesten Rausche an künftigeNüchternheit und Kühle denken und aus Erfahrung wissen, daß diehochpoctischen heroischen Leidenschaften ein so kläglich prosaischesEnde nehmen! . . .

Diese hochpoctischen heroischen Leidenschaften! Wie die Theater-Prinzessinnen gebärden sie sich, und sind hochrot geschminkt, prachtvollkostümiert, mit funkelndem Geschmeide beladen, und wandeln stolzeinher und deklamieren in gemessenen Jamben , . , Wenn aber derBorhang fällt, zieht die arme Prinzessin ihre Werkcltagsklcidcr wiederau, wischt sich die Schminke von den Wangen, sie muß den Schmuckdem Gardervbcmeister überliefern, und schlotternd hängt sie sich anden Arm des ersten besten StadtgerichtSreferendarii, spricht schlechtesBerliner Deutsch, steigt mit ihm in eine Mansarde, und gähnt undlegt sich schnarchend anfs Ohr und hört nicht mehr die süßen Be-teuerungen:Sie spielten jettlich, auf Ehre!" , , .

Ich wage es nicht, Shakespeare im mindesten zu tadeln und nurmeine Verwunderung möchte ich darüber aussprechen, daß er denRomeo erst eine Leidenschaft für Rvsalinde empfinden läßt, ehe erihn Julien zuführt. Trotzdem, daß er sich der zweiten Liebe ganzhingiebt, nistet doch in seiner Seele eine gewisse Skepsis, die sichin ironischen Redensarten knndgiebt, und nicht selten an Hamlet er-innert, Oder ist die zweite Liebe bei dem Manne die stärkere, ebenweil sie alsdann mit klarem Selbstbewußtsein gepaart ist? Bei demWeibe giebt es keine zweite Liebe, seine Natur ist zu zart, als daß