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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
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132 Shakespeares Mädchen und Frauen.

Gcisterrcichs bereits in den ersten Scenen desHamlet", nnd wirkönnen nnS hier nicht losMinden von den gespenstischen Nnchtgcsiihlen,von dein Alpdrücken der unheimlichsten Ängste, bis alles vollbracht,bis Dänemarks Luft, die von Mcnschenfänlnis geschwängert war,wieder ganz gereinigt ist.

In den ersten Scenen desLear" werden wir ans gleiche Weiseunmittelbar hineingezogen in die fremden Schicksale, die sich vor unserenAugen ankündigen, entfalten nnd abschließen. Der Dichter gewährtuns hier ein Schauspiel, das noch entsetzlicher ist als alle Schrecknisseder Zanberwelt nnd des GcisterrcichS; er zeigt uns nämlich die mensch-liche Leidenschaft, die alle Vernunftdämme durchbricht, nnd in derfurchtbaren Majestät eines königlichen Wahnsinns hinanstvbt, wett-eifernd mit der empörten Natur in ihrem wildesten Aufruhr. Aberich glaube, hier endet die außerordentliche Ohnmacht, die spielendeWillkür, womit Shakespeare seinen Stoff immer bewältigen konnte;hier beherrscht ihn sein Genius weit mehr als in den erwähntenTragödien, inMacbeth" nndHamlet", wo er mit künstlerischerGelassenheit neben den dunkelsten Schatten der Gemiilsnacht dierosigsten Lichter des Wistes, neben den wildesten Handlungen dasheiterste Stilllebcn hinmalcn konnte. Ja, in der TragödieMacbeth"lächelt uns eine sanfte befriedete Natur entgegen; an den Fenster-fliescn des Schlosses, wo die blutigste llnthat verübt wird, klebenstille Schwalbennester; ein freundlicher schottischer Sommer, nicht zukühl, weht durch das ganze Stück; überall schöne Bäume nnd grünesLaubwerk, nnd am Ende gar kommt ein ganzer Wald einhermarschicrt.Birnam-Wald kommt nach Dunsinan. Auch inHamlet" kontrastiertdie liebliche Natur mit der Schwüle der Handlung; bleibt es auchNacht in der Brust des Helden, so geht doch die Sonne darum nichtminder morgenrötlich auf und Pvlonins ist ein amüsanter Narr, undes wird ruhig Komödie gespielt, nud unter grünen Bäumen sistt diearme Ophelia, und mit bunten blühenden Blumen windet sie ihreKränze. Aber inLear" herrschen keine solche Kontraste zwischender Handlung und der Natur, und die entziigelten Elemente heulennnd stürmen um die Wette mit dem wahnsinnigen König. Wirktein sittliches Ereignis ganz außerordentlicher Art auch auf die so-genannte leblose Natur? Befindet sich zwischen dieser und demMenschengemüt ein äußerlich sichtbares WahlverhältniS? Hat unserDichter dergleichen erkannt und darstellen wollen?

Mit der ersten Scene dieser Tragödie werden wir, wie gesagt,schon in die Mitte der Ereignisse geführt, und wie klar auch derHimmel ist, ein scharfes Auge kann das künftige Gewitter schon vor-aussehen. Da ist ein Wölkchen im Verstände Lcars, welches sich späterzur schwärzesten Geistesnacht verdichten wird. Wer in dieser Weisealles verschenkt, der ist schon verrückt. Wie das Gemüt des Helden,