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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
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13i) Shakespeares Mädchen und Frauen.

tanzes, oder ist es nur die irdische Signatur der übersinnlichstenHarmonien? Eines Tages, als wir im Schlvßgartcn zu Helsingöruns ergingen, zärtlich scherzend und kosend, die Herzen in vollerSehnsuchtsblüte ... es bleibt mir unvergeßlich, wie bettelhast derGesang der Nachtigallen abstach gegen die himmelhauchende StimmeOphelias und wie armselig blöde die Blumen aussahen mit ihrenbunten Gesichtern ohne Lächeln, wenn ich sie zufällig verglich mitdem holdseligen Munde Ophelias! Die schlanke Gestalt, wie wan-delnde Lieblichkeit schwebte sie neben mir einher.

Ach, das ist der Fluch schwacher Menschen, daß sie jedesmal,wenn ihnen eine große Unbill widerfährt, zunächst an dem besten undliebsten, was sie besitzen, ihren Unmut auslassen. Und der armeHamlet zerstörte zunächst seine Vernunft, das herrliche Kleinod, stürztesich durch verstellte Geistesverwirrung in den entsetzlichen Abgrundder wirklichen Tollheit, uüd guälte sein armes Mädchen mit höhnischenStachelredcn . . . Das arme Ding! Das fehlte noch, daß der Geliebteihren Vater für eine Ratte hielt und ihn totstach ... Da mußtesie ebenfalls von Sinnen kommen! Aber ihr Wahnsinn ist nicht soschwarz und brütend düster wie der Hamletsche, sondern er gaukeltgleichsam besänftigend mit süßen Liedern um ihr krankes Haupt ....Ihre sanfte Stimme schmilzt ganz in Gesang, und Blumen und wiederBlumen winden sich durch all ihr Denken. Sie singt und flechtet Kränzeund schmückt damit ihre Stirn, und lächelt mit ihrem strahlendenLächeln, armes Kind! . . .

Es neigt ein Weidenbaum sich übern Bach,

Und zeigt im klaren Strom sein grünes Laub,Mit welchem sie phantastisch Kränze wandVon Hahnfnß, Nesseln, Maßlieb Kuckucksblumen.

Dort, als sie aufklvmm, um ihr LaubgewindeAn den gesenkten Ästen aufzuhängen,

Zerbrach ein falscher Zweig, und nieder fielenDie rankenden Trophäen und sie selbstIns weinende Gewässer. Ihre KleiderVerbreiteten sich weit, und trugen sieSirenengleich ein Weilchen noch empor,

Indes sie Stellen alter Weisen sang,

Als ob sie nicht die eigne Not begriffe,

Wie ein Geschöpf, geboren und begabtFür dieses Element. Doch lange währt' es nicht,

Bis ihre Kleider, die sich schwer getrunken,

Das arme Kind von ihren MelodienHinuntcrzogen in den schlamm'gen Tod.

Doch ivas erzähl' ich euch diese kummervolle Geschichte! Ihr kenntsie alle von frühester Jugend, und ihr habt oft genug geweint über