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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
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128
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128 Shakespeares Mädchen und Frauen.

Dichter auch einige Prophezeiungen zur Ehre der regierenden Dynastieseinem Drama eingewebt.

Macbeth ist ein Liebling der Kritiker, die hier Gelegenheit finden,ihre Ansichten über die antike Schicksalstragödie, in Bergleichung mitder Auffassung des Fatnms bei modernen Tragikern, des breitestenauseinander zu setzen. Ich erlaube mir über diesen Gegenstand nureine flüchtige Bemerkung.

Die Schicksalsidee des Shakespeare ist von der Idee des Schick-sals bei den Alten in gleicher Weise verschieden, wie die wahrsagendenFrauen, die kronenverheißend in der alten nordischen Legende demMacbeth begegnen, von jener Hexenschwesterschaft verschieden sind, dieman in der Shakespeareschen Tragödie auftreten sieht. Jene wunder-samen Frauen in der alten nordischen Legende sind offenbar Wal-küren, schauerliche Luftgöttinnen, die, über den Schlachtfeldern cin-herschwebend, Sieg oder Niederlage entscheiden, und als die eigent-lichen Lenkerinnen des Menschenschicksals zu betrachten sind, da letzteresim kriegerischen Norden zunächst vom Ausgang der Schwertkämpfeabhängig war. Shakespeare verwandelte sie in unheilstiftendc Hexen,entkleidete sie aller furchtbaren Grazie deS nordischen Znubertums,er machte sie zu zwitterhaften Mißweibern, die ungeheuerlichen Spukzu treiben wissen, und Verderben brauen aus hämischer Schadenfreudeoder auf Geheiß der Hölle; sie sind die Dienerinnen des Bösen, undwer sich von ihren Sprüchen bethören läßt, geht mit Leib und Seele zuGrunde. Shakespeare hat also die altheidnischen Schicksalsgöttinnenund ihren ehrwürdigen Zaubersegen ins Christliche übersetzt, undder Untergang seines Helden ist daher nicht etwas vorausbestimmtNotwendiges, etwas starr Unabwendbares wie das alte Fatnm, son-dern er ist nur die Folge jener Lockungen der Hölle, die das Menschen-herz mit den feinsten Netzen zu umschlingen weiß: Macbeth unter-liegt der Macht des Satans, dem Urbösen.

Interessant ist es, wenn man die Shakespeareschen Hexen mitden Hexen anderer englischen Dichter vergleicht. Man bemerkt, daßShakespeare sich dennoch von der altheidnischcn Anschauungsweisenicht ganz losreißen konnte, und seine Zaubcrschwestern sind daherauffallend grandioser und respektabler als die Hexen von Middleton,die weit mehr eine böse Vettelnatur bekunden, auch weit kleinlichereTücken ausüben, nur den Leib beschädigen, über den Geist wenigvermögen, und höchstens mit Eifersucht, Mißgunst, Lüsternheit undähnlichem Gefühlsaussatz unsere Herzen zu überkrusten wissen.

Die Reuomee der Lady Macbeth, die man während zwei Jahr-hunderten für eine sehr böse Person hielt, hat sich vor etwa zwölfJahren in Deutschland sehr zu ihrem Borteil verbessert. Der frommeFranz Horn machte nämlich im Brvckhaus'schen Konversations-Blattdie Bemerkung, daß die arme Lady bisher ganz verkannt worden,