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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
127
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Tragödien. 127

sich einmal als Liebhaber zeige. Ihrem lächelnden Wink verdankenwirDie lustigen Weiber von Windsor".

Shakespeare konnte seine englischen Geschichtsdramen nicht besserschließen, als indem er am Ende vonHeinrich VIII." die neu-geborene Elisabeth, gleichsam die bessere Zukunft in Windeln, über dieBühne tragen läßt.

Hat aber Shakespeare wirklich den Charakter Heinrichs VIII., deSVaters seiner Königin, ganz geschichtstreu geschildert? Ja, obgleicher die Wahrheit nicht in so grellen Lauten wie in seinen übrigenDramen verkündete, so hat er sie doch jedenfalls ausgesprochen, undder leisere Ton macht jeden Vorwurf desto eindringlicher. DieserHeinrich VIII. war der schlimmste aller Könige, denn während alleandere böse Fürsten nur gegen ihre Feinde wüteten, raste jener gegenseine Freunde, und seine Liebe war immer weit gefährlicher als seinHaß. Die Ehestandsgeschichten dieses königlichen Blaubarts sind ent-setzlich. In alle Schrecknisse derselben mischte er obendrein eine ge-wisse blödsinnig grauenhafte Galanterie. Als er Anna Bullen hin-zurichten befahl/ließ er ihr vorher sagen, daß er für sie den ge-schicktesten Scharfrichter von ganz England bestellt habe. Die Königindankte ihm gehorsamst für solche zarte Aufmerksamkeit, und in ihrerleichtsinnig heiteren Weise umspannte sie mit beiden weißen Händenihren Hals und rieft Ich bin sehr leicht zu köpfen, ich Hab' nur einkleines schmales Hübschen.

Auch ist das Beil, womit man ihr das Haupt abschlug, nichtsehr groß. Man zeigte es mir in der Rüstkammer des Totvers zuLondon, und während ich es in den Händen hielt, bcschlichcn michsehr sonderbare Gedanken.

Wenn ich Königin von England wäre, ich ließe jenes Beil indie Tiefe des Ozeans versenken.

Lady Macbeth.

(Macbeth.)

Von den eigentlich historischen Dramen wende ich mich zu jenenTragödien, deren Fabel entweder rein ersonnen oder aus alten Sagenund "Novellen geschöpft ist. Macbeth bildet einen Übergang zu diesenDichtungen, worin der Genius des großen Shakespeare aar frcicstcnund kecksten seine Flügel entfaltet. Der Stoff ist einer alten Legendeentlehnt, er gehört nicht zur Historie, und dennoch macht dieses Stückeinige Ansprüche an geschichtlichen Glanben, da der Ahnherr desköniglichen Hauses von England darin eitle Nolle spielte. Macbethward nämlich unter Jacob I. aufgeführt, welcher bekanntlich von demschottischen Bangno abstammen sollte. In dieser Beziehung hat der