Tragödien. 123
stunde, wo er zu seinem Sohn jene Worte sprechen wird, die Shake-speare schon längst für ihn aufgeschrieben:
Komm her, mein Sohn, und setz' dich an mein Bett,
Und hör' den leisten Ratschlag, wie ich glaube,
Dell ich je atmen mag. Gott weiß, mein Sohn,
Durch welche Nebenschlich' und krumme Wege
Ich diese Krön' erlangt; ich selbst weiß wohl,
Wie lästig sie auf meinem Haupte saß.
Dir fällt sie heim nunmehr mit beßrer Ruh',
Mit beßrer Meinung, besserer Bestät'gung;
Dem: jeder Flecken der Erlangung geht
Mit mir ins Grab. An mir erschien sie nur
Wie eine Ehr', erhascht mit heft'ger Hand;
Und viele lebten noch, mir vorzurücken,
Daß ich durch ihren Beistand sie genommen,
Was täglich Zwist und Blutvergießen schuf,
Dem vorgegebnen Frieden Wunden schlagend.
All diese dreisten Schrecken, wie du siehst,
Hab' ich bestanden mit Gefahr des Lebens;
Denn all mein Regiment war nur ein Auftritt,
Der diesen Inhalt spielte; nun verändert
Mein Tod die Weise; denn waS ich erjagt,
Das fällt dir nun mit schönerm Allspruch heim,
Da dll durch Erblichkeit die Krone trägst.
Und, stehst du sichrer schon als ich es konnte,
Du bist nicht fest genug, solang die Klagen
So frisch noch sind; und allen meinen Freunden,
Die du zu deinen Freunden machen mußt,
Sind Zahn' und Stachel kürzlich nur entnommen,
Die durch gewaltsam Thun mich erst befördert,
Und deren Macht wohl Furcht erregen konnte
Bor neuer Absetzung; was zu vermeiden
Ich sie verdarb, und nun des Sinnes war,
Zum hcil'gen Lande viele fortzuführen,
Daß Ruh' und Stilleliegen nicht zu nah
Mein Reich sie prüfen ließ. Darum, mein Sohn,
Beschäft'ge stets die schwindlichten Gemüter
Mit fremdem Zwist, daß Wirken in der Fern'
Das Angedenken vor'ger Tage banne.
Mehr wollt' ich, doch die Lung' ist so erschöpft,
Daß kräft'ge Rede gänzlich mir versagt ist.
Wie ich zur Krone kam, v Gott! vergebe,
Daß sie bei dir in wahrem Frieden lebe!