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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
119
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Tragödien. 119

weder das Recht noch die Poesie ans selten der Engländer, die eines-teils unter nichtigen Successionsvorwändcn die roheste Plnndcrungs-lnst verbargen, andernteils nur im Solde gemeiner Krämcrintercsscnsich herumschlugen . . . ganz wie zu unserer eigenen Zeit, nur daßeS sich im neunzehnten Jahrhundert mehr um Kaffee und Zucker, hin-gegen im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert mehr um Schnfs-wvlle handelte.

Michelet, in seiner französischen Geschichte, dem genialen Buche,bemerkt ganz richtig:

Das Geheimnis der Schlachten von Crecy, von Poitiers u. s. w.befindet sich im Comptoir der Kauflente von London, von Bordeaux,von Brnges."Wolle und Fleisch begründeten dasursprüngliche England und die englische Nasse. Bevor England fürdie ganze Welt eine große Baumwollspinnerei und Eisenmanufaktnrwurde, war es eine Fleischfabrik. Von jeher trieb dieses Volk vor-zugsweise Viehzucht und nährte sich von Fleischspeisen. Daher dieseFrische des Teints, diese Kraft, diese stnrznasige und hinterkopflose)Schönheit. Man erlaube mir bei dieser Gelegenheit eines persön-lichen Eindrucks zu erwähnen:

Ich hatte London und einen großen Teil Englands und Schott-lands gesehen; ich hatte mehr angestaunt als begriffen. Erst ansmeiner Rückreise, als ich von Jork nach Manchester ging, die Inselin ihrer Breite durchschneidend, empfing ich eine wahrhafte AnschauungEnglands. Es war eines Mvrgens bei feuchtem Nebel; das Landerschien mir nicht bloß umgeben, sondern überschwemmt vom Ozean.Eine bleiche Sonne färbte kaum die Hälfte der Landschaft. Die neuenziegelroten Häuser hätten allzu schroff gegen die saftig grünen Nasenabgestochen, wären diese schreienden Farben nicht von den flatterndenSeenebeln gedämpft worden. Fette Weideplätze, bedeckt mit Schafen,und überragt von den flammenden Schornsteinen der Fabriköfen.Viehzucht. Ackerbau, Industrie, alles war in diesem kleinen Räumezusammengedrängt, eins über das andere, eins das andere ernährend;das Gras lebte vom Nebel, das Schaf vom Grase, der Mensch von Blut.

Der Mensch in diesem verzehrenden Klima, wo er immer vonHunger geplagt ist, kann nur durch Arbeit sein Leben fristen. DieNatur zwingt ihn dazu. Aber er weiß sich an ihr zu rächen: erläßt sie selber arbeiten, er unterjocht sie durch Eisen und Feuer.Ganz England keucht von diesem Kampfe. Der Mensch ist dort wieerzürnt, wie außer sich. Seht dieses rote Gesicht, dieses ErglänzendeAuge . . . Man könnte leicht glauben, er sei trunken. Aber seinKopf und seine Hand sind fest und sicher. Er ist nur trunken vonBlut und Kraft. Er behandelt sich selbst wie eine Dampfmaschine,welche er bis zum Übermaß mit Nahrung vollstopft, um so viel Thätig-kcit und Schnelligkeit als nur irgend möglich daraus zu gewinnen.