116 Shakespeares Mädchen nnd Frauen.
Annahme beipflichten. Aber die vorgebrachten Argumente sind nichthaltbar. Diese bestrittenen Dramen tragen in manchen Stellen allzu-sehr das Vollgepräge des Shakespeareschen Geistes.
Margareta.
(König Heinrich VI. Erster Teil.)
.Hier sehen wir die schöne Tochter des Grafen Reignier noch alsMädchen. Suffolk tritt auf und führt sie vor als Gefangene, dochehe er sich dessen versieht, hat sie ihn selber gefesselt. Er mahnt unsganz an den Rekruten, der von einem Wachtposten ans seinen: Haupt-mann entgegenschrie: „Ich habe einen Gefangenen gemacht." — „Sobringt ihn zu mir her," antwortete der Hauptmann. „Ich kann nicht,"erwiderte der arme Rekrut, „denn mein Gefangener läßt mich nichtmehr los."
Suffolk spricht:
Sei nicht beleidigt, Wunder der Natur!
Von mir gefangen werden ist dein Los.
So schützt der Schwan die flaumbedeckten Schwänlein,
Mit seinen Flügeln sie gefangen haltend;
Allein sobald dich kränkt die Sklaverei,
So geh, und sei als Suffolks Freundin frei.
(Sie wendet sich weg, als wollte sie gehen.)
O bleib! Mir fehlt die Kraft, sie zu entlassen,
Befrein will sie die Hand, das Herz sagt nein.
Wie aus krystallnem Strom die Sonne spieltlind blinkt mit zweitem nachgeahmten Strahl,
So scheint die lichte Schönheit meinen Augen.
Ich würbe gern, doch wag' ich nicht zu reden;
Ich fordre Tint' und Feder, ihr zu schreiben.
Pfui, De la Poole! entherze dich nicht selbst.
Hast keine Zuug'? ist sie nicht da?
Verzagst du vor dem Anblick eines Weibs?
Ach ja! der Schönheit hohe MajestätVerwirrt die Zung', und macht die Sinne wüst.
Margareta. Sag, Graf von Suffolk (wenn du so dich nennst),Was gilt's zur Lösung, eh' du mich entlässest?
Denn wie ich seh', bin ich bei dir Gefangne.
Snffolk (beiseite). Wie weißt du, ob sie deine Bitte weigert,
Eh' du um ihre Liebe dich versucht?
Margareta. Du sprichst nicht. Was für Lösung muß ich zahlen?Snffolk (beiseite). Ja, sie ist schön, drum muß man NM sie werben;Sie ist ein Weib, drum kann matt sie gewinnen.