Tragödie». 109
Wenn ihre Grausamkeit entschuldigt wird durch das erduldeteÜbermaß tum Qualen, so erscheint die metzenhafte Liederlichkeit,womit sie sich sogar einem scheußlichen Mohren hingiebt, gewissermaßenveredelt durch die romantische Poesie, die sich darin ausspricht. Ja,zu den schauerlich süßesten Zaubergemälden der romantischen Poesiegehört jene Scene, wo während der Jagd die Kaiserin Tamvra ihrGefolge verlassen hat, und ganz allein im Walde mit dem geliebtenMohren zusammentrifft.
Warum so traurig, holder Aarvn?
Da doch umher so heiter alles scheint.
Die Vögel singen überall im Busch,
Die Schlange liegt im Sonnenstrahl gerollt,
Das grüne Laub bebt von dem kühlen Hauch,
Und bildet bunte Schatten ans dem Boden.
Im süßen Schatten, Aaron, laß uns sitzen,
Indes das Echo schwatzhaft Hunde äfft,°
Und wiedcrhallt der Hörner hellen Klang,
AlS sei die Jagd verdoppelt; — laß unS sitzen,Und horchen ans das gellende Getöse.
Nach solchem Zweikampf, wie der war, den Dido —Erzählt man — mit Äneas einst genoß,
Als glücklich sie ein Sturmwind überfiel,
Und die verschwiegne Grotte sie verbarg,
Laß uns verschlungen beide, Arm in Arm,
Wenn wir die Lust genosscu, goldnem SchlafUns überlassen; während Hund und HornUnd Vögel mit der süßen MelodieUnS das singt, was der Amme Lied ist, dieDamit das Kindlein lullt und wiegt zum Schlaf.
Während aber Wvllustgluten aus den Augen der schönen Kaiserinhervorlodern, und über die schwarze Gestalt des Mohren tvie lockendeLichter, wie züngelnde Flammen ihr Spiel treiben, denkt dieser anweit wichtigere Dinge, an die Ausführung der schändlichsten Jntriguen,und seine Antwort bildet den schroffsten Gegensatz zu der brünstigenAnrede Tamaras.
Konstanze.
(König Johann.)
Es war^am 29. August des Jahres 1827 nach Christi Geburt,als ich int Theater zu Berlin bei der ersten Vorstellung einer neuenTragödie vom Herrn E. Ranpach allmählich einschlief.
Für das gebildete Publikum, das nicht ins Theater geht und