1k)6 Shakespeares Mädchen und Frauen,
der mit seiner königlichen Geliebten auf den Fischfang ausfuhr, aberan seiner Schnur lauter cingesalzene Fische heranfzvg; denn die schlaueÄgypterin hatte heimlich eine Menge Taucher bestellt, welche unterdem Wasser an dem Angelhaken des verliebten Römers jedesmaleinen eingesalzcnen Fisch zu befestigen wußten. Freilich, unser Lehrermachte bei dieser Anekdote ein sehr ernsthaftes Gesicht, und tadeltenicht wenig den frevelhaften Übermut, womit die Königin das Lebenihrer Unterthanen, jeuer armen Taucher, aufs Spiel setzte, um denbesagten Spaß auszuführen; unser Lehrer war übcrhauptkein Freundder Kleopatra, und er machte uns sehr nachdrücklich darauf aufmerksam,wie sich der Antonius durch dieses Weib seine ganze Staats-Carriereverdarb, in häusliche Unannehmlichkeiten verwickelte, und endlich insUnglück stürzte.
Ja, mein alter Lehrer hatte recht, es ist äußerst gefährlich, sichmit einer Person, wie Kleopatra, in ein näheres Verhältnis einzu-lassen, Ein Held kann dadurch zu Grunde gehen, aber auch nur einHeld, Der lieben Mittelmäßigkeit droht hier, wie überall, keine Gefahr.
Wie der Charakter der Kleopatra, so ist auch ihre Stellung eineäußerst witzige. Dieses launische, lustsüchtige, wetterwendische, fieber-haft kokette Weib, diese antike Pariserin, diese Göttin des Lebens,gaukelt und herrscht über Ägypten, dem schweigsam starren Totcn-land , . . Ihr kennt es wohl, jenes Ägypten, jenes geheimnisvolleMizraim, jenes enge Nilthal, das wie ein Sarg aussieht . . , Imhohen Schilfe greint das Krokodil oder das ausgesetzte Kind der Offen-barung , , . Fclsentempel mit kolossalen Pfeilern, woran heilige Ticr-sratzen lehnen, häßlich bunt bemalt , , , An der Pforte nickt derhieroglyphcnmützige Jsismönch ... In üppigen Villas halten dieMumien ihre Siesta, und die vergoldete Larve schützt sie vor denFliegenschkvärmcn der Verwesung , , . Wie stumme Gedanken stehendort die schlanken Obelisken und die plumpen Pyramiden . , , ImHintergrund grüßen die Mondberge Äthiopiens, welche die Quellendes Nils verhüllen , , , Überall -vod, Stein und Geheimnis . . .Und über dieses Land herrschte als Königin die schöne Kleopatra.
Wie witzig ist Gott!
Labiina.
(Titus Andronikus,)
In „Julius Cäsar" sehen wir die letzten Zuckungen deS re-publikanischen Geistes, der dem Aufkommen der Monarchie vergebensentgcgenkämpft; die Republik hat sich überlebt und Brutus undCassius können nur den Mann ermorden, der zuerst nach der könig-lichen Krone greift, keineswegs aber vermögen sie daS Königtum zu