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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
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104
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104 Shakespeares Mädchen und Frauen,

Um noch einmal solch einen Mann zu sehn!

Sein GesichtWar wie des Himmels Antlitz, Drinnen standDie Sonn' und auch ein Mond und liefen um,Und leuchteten der Erde kleinen! O.

Seine FüßeBeschritten Ozeane; sein empor-Gestreckter Arm umsauste eine Welt;

Der Harmonie der Sphären glich die Stimme,

Wenn sie den Freunden tönte; wenn er meint'Den Erdkreis zu bezähmen, zu erschüttern,

Wie Donner rasselnd. Seine Güte kannteDen Winter nie; sie war ein Herbst, der stets.

Durch Ernten reicher ward. Delphinen gleichWar sein Ergötzen, die den Rücken obDem Elemente zeigen, das sie hegt.

Es wandelten in seiner LivereiDer Königs- und der Fürstenkroncn viel'.

Und Königreich' und Inseln fielen ihmWie Münzen aus der Tasche.

Diese Kleopatra ist ein Weib. Sie liebt und verrät zu gleicherZeit. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß die Weiber, wenn sie unsverraten, auch aufgehört haben uns zu lieben. Sie folgen nur ihrerangeborenen Natur; und wenn sie auch nicht den verbotenen Kelchleeren wollen, so möchten sie doch manchmal ein bißchen nippen, andem Rande lecken, um wenigstens zu kosten, wie Gift schmeckt.Nächst Shakespeare, in vorliegender Tragödie, hat dieses Phänomenniemand so gut geschildert wie unser alter Abbä Prevost in seinemRomaneManon de Lescaut". Die Intuition des größten Dichtersstimmt hier überein mit der nüchternen Beobachtung des kühlstenProsaikers.

Ja, diese Kleopatra ist ein Weib, in der holdseligsten und ver-maledeitesten Bedeutung des Wortes! Sie erinnert mich an jenenAusspruch Hessings: Als Gott das Weib schuf, nahm er den Thonzu fein! Die Überzartheit seines Stoffes verträgt sich nun selten mitden Ansprüchen des Lebens. Dieses Geschöpf ist zu gut und zu schlechtfür diese Welt. Die lieblichsten Borzüge werden hier die Ursache derverdrießlichsten Gebrechen. Mit entzückender Wahrheit schildert Shake-speare schon gleich beim Auftreten der Kleopatra den bnnten flatter-haften Launengeist, der im Kopfe der schönen Königin beständig rumort,nicht selten in den bedenklichsten Fragen und Gelüsten übersprudelt,und vielleicht eben als der letzte Grund von all ihrem Thun und