102 Shakespeares Mädchen und Frauen,
Dort auf dem Markt, auf silberuer Tribüne,Auf gvldnen Stühlen, thront er öffentlichMit der Klcopatra. Cäsarion saßZu ihren Füßen, den man für den SohnVon meinem Bater hält; und alle dieUnechten Kinder, die seit jener ZeitErzeugte ihre Wollust, Ihr verliehÄgypten er zum Eigentum, und machteVon Niedersyricn, Cyprus, Lydien sieZur unumschränkten Königin.
An dein Ort,
Wo man die öffentlichen Spiele giebt,
Da kündet' er als Könige der Kön'geDie Söhne; gab Grvßmcdicn, Parthien,
Armenien dem Alexander, wiesDem Ptolemäus Syrien, CilicicnUnd auch Phönicien an, Sie selbst erschienIm Schmuck der Göttin JsiS diesen Tag,
Und, wie man sagt, erteilte sie vorherAns diese Weise oftmals schon Gehör,
Die ägyptische Zauberin hält nicht bloß sein Herz, sondern auchsein Hirn gefangen, und verwirrt sogar sein Fetdherrntalent, Stattans dem festen Lande, Ivo er geübt im Siegen, liefert er die Schlachtans der unsicheren See, wo seine Tapferkeit sich weniger geltendmachen kann; — und dort, wohin daS launenhafte Weib ihm durch-aus folgen wollte, ergreift sie plötzlich die Flucht nebst allen ihrenSchissen , eben im entscheidenden Moment des Kampfes; — und An-tonius, „gleich einem brünst'gen Entrich", mit ausgespannten Segcl-flügcln, flieht ihr nach, und läßt Ehre und Glück im Stich, Abernicht bloß durch die weiblichen Launen Klcopatras erleidet der un-glückselige Held die schmählichste Niederlage; späterhin übt sie gegenihn sogar den schwärzesten Verrat, und läßt, im geheimen Ein-verständnis mit Octavius, ihre Flotte zum Feinde übergehen , . ,Sie betrügt ihn aufs niederträchtigste, um im Schiffbruche seinesGlücks ihre eigenen Güter zu retten, oder gar noch einige größereVorteile zu erfischen , , , Sie treibt ihn in Verzweiflung und -vvddurch Arglist und Lüge . , , Und dennoch bis zum letzten Augen-blicke liebt er sie mit ganzem Herzen; ja, nach jedem Verrat, den siean ihm übt, cntlodert seine Liebe um so flammender. Er flucht freilichüber ihre jedesmalige Tücke, er kennt alle ihre Gebrechen, und inden rohesten Schimpfreden entladet sich seine bessere Einsicht, und ersagt ihr die bittersten Wahrheiten: