Tragödien. 101
Als diesen Hagem CassiuS, Er liest diel;
Er ist ein großer Prüfer, und durchschaut
Das Thun der Menschen ganz; er liebt kein Spiel,
Wie du, Antonius; hört nicht Musik;
Er lächelt selten, und ans solche Weise,
Als spott" er sein, verachte seinen Geist,
Den irgend was zum Lächeln bringen konnte.
lind solche Männer haben nimmer Ruh',
Solang sie jemand größer sehn als sich.
Das ist es, was sie so gefährlich macht.
Cassius ist Republikaner, und, wie wir es oft bei solchenMenschen finden, er hat mehr Sinn fiir edle Männerfrenndschast alsfür zarte Franenlicbe. Brutus hingegen opfert sich fiir die Republik,nicht weil er seiner Natur nach Republikaner, sondern weil er einTugendhcld ist, und in jener Aufopferung eine höchste Aufgabe derPflicht ficht. Er ist empfänglich fiir alle sanften Gefühle, und mitweicher Seele hängt er an seiner Gattin Portio.
Portin, eine Tochter des Cato, ganz Römerin, ist dennochliebenswürdig und selbst in den höchsten Aufflügen ihres Heroismusoffenbart sie den weiblichsten Sinn und die sinnigste Weiblichkeit.Mit ängstlichen Liebesaugen lauert sie auf jeden Schatten, der überdie Stirne ihres Gemahls dahinzieht und seine bekümmerten Gedankenverrät. Sie will wissen, was ihn quält, sie will die Last des Ge-heimnisses, das seine Seele drückt, mit ihm teilen . . . Und als siees endlich weiß, ist sie dennoch ein Weib, unterliegt fast den furcht-baren Besorgnissen, kann sie nicht verbergen und "gesteht selber:
Ich habe Mannessinn, doch Wciberohnmacht,
Wie fällt doch ein Geheimnis Weibern schwer!
-A
O
M
Klropntra.
lAntonius und Kleopatra.)
Ja, dieses ist die berühmte Königin von Äghpten, welche denAntonius zu Grunde gerichtet hat.
Er wußte es ganz bestimmt, daß er durch dieses Weib seinemVerderben entgegenging, er will sich ihren Zanberfesseln entreißen . ..
Schnell muß ich fort von hier.
Er flieht . . . doch nur um desto eher zurückzukehren zu den Fleisch-töpfen Äghptens, zu seiner alten Nilschlange, wie er sie nennt . . .bald fühlt er sich wieder mit ihr im prächtigen Schlamme zuAlexandrien, und dort, erzählt Octavius: