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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
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ö8 Shakespeares Mädchen und Frauen.

und, wie dei diesen, so auch bei jenen gilt Kriegskunst und Beredsamkeitals die besten Hilfsmittel künftiger Auktvritas. Wie bei den Römern,fo auch bei den Engländern, ist die Tradition des Regierens und desAdministrierens das Erbteil der edlen Geschlechter; und dadurchwerden die englischen Tones vielleicht ebensolange unentbehrlichsein, ja sich ebensolange in Macht erhalten, ivie die senatorischcnFamilien des alten Roms.

Nichts aber ist dem heutigen Zustand in England so ähnlichwie jene Stimmcnbewerbung, die wir imCoriolan" geschildertsehen. Mit welchem verbissenen Grimm, mit welcher höhnischenIronie bettelt der römische Tvry um die Wahlstimmen der gutenBürger, die er in der Seele so tief verachtet, deren Zustimmungihm aber so unentbehrlich ist, um Konsul zu werden! Nur daß diemeisten englischen Lords, die, statt in Schlachten, nur in Fuchsjagdenihre Wunden erworben haben, und sich von ihren Müttern in derVerstcllnngskunst besser unterrichten lassen, bei den heutigen Parla-mentswahlen ihren Grimm und Hohn nicht so zur Schau tragen,wie der starre Coriolan.

Wie immer, hat Shakespeare auch in dem vorliegenden Dramadie höchste Unparteilichkeit ausgeübt. Der Aristokrat hat hier recht,wenn er seine plebejischen Stimmherren verachtet; denn er fühlt,daß er selber tapferer im Kriege war, was bei den Römern alshöchste Tugend galt. Die armen Stimmhcrren, das Volk, habenindessen ebenfalls recht, sich ihm trotz dieser Tugend zu widersetzen;denn er hat nicht undeutlich geäußert, daß er als Konsul die Brvt-vertcilung abschaffen wolle.Das Brot ist aber das erste Recht desVolks."

Portia.

(Julius Cäsar.)

Der Hauptgrund von Cäsars Popularität war die Großmut,womit er das Volk behandelte, und seine Freigebigkeit. Das VolkaHute in ihm den Begründer jener besseren Tage, die es unter seinenNachkommen, den Kaisern, erleben sollte; denn diese gewährten demVolke sein erstes Recht: sie gaben ihm sein tägliches Brot. Gernverzeihen wir den Kaisern die blutigste Willkür, womit sie einigehundert patrizische Familien behandelten und die Privilegien derselbenverspotteten; wir erkennen in ihnen, und mit Dank, die Zerstörerder Adelsherrschaft, welche dem Volke für die härtesten Dienste nurkärglichen Lohn bewilligte; wir preisen sie als weltliche Heilande, die,erniedrigend die Hohen und erhöhend die Niedrigen, eine bürgerlicheGleichheit einführten. Mag immerhin der Advokat der Vergangen-heit, der Patrizier Tacitus, die Privatlaster und Tollheiten der