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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
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g-1 Shakespeare? Mädchen und Frauen.

jcnigcn Stücke, worin nicht der heitere Geist Thnlias, sondern dieSchwermut Melpomcncs atinet, gehören ins Gebiet der Tragödie."Vielleicht trug ich jene umfassende Definition im Sinne, als ich aufden Gedanken geriet,Troilus und Cressida" unter die Tragödienzu stecken, lind in der That, es herrscht darin eine jauchzende Bitter-keit, eine wcltvcrhöhnende Ironie, wie sie uns nie in den Spielender komischen Muse begegnete. Es ist weit eher die tragische Göttin,welche überall in diesem Stücke sichtbar wird, nur daß sie hier einmallustig thun und Spaß machen möchte . . Und es ist, als sahen wirMclpvmene ans einem Grisettenball den Chahnt tanzen, freches Ge-lächter ans den bleichen Lippen, und den Tod im Herzen.

Cnssnndrn.

(Troilus und Cressida.)

Es ist die wahrsagende Tochter des Priamus, welche wir hier imBildnisse vorführen. Sie trägt im Herzen das schauerliche Vorwissender Zukunft; sie verkündet den Untergang Jlions, und jetzt, woHektar sich waffnet, um mit dem schrecklichen Peliden zu kämpfen,fleht sie und jammert sie . . . Sie sieht im Geiste schon den geliebtenBruder ans offenen Tvdcswnnden verbluten . . . Sie fleht undjammert. Vergebens! Niemand hört auf ihren Rat, und ebensorettungslos wie das ganze verblendete Volk sinkt sie in den Abgrundeines dunkeln Schicksals.

Kärgliche und eben nicht sehr bedeutungsvolle Worte widmetShakespeare der schönen Seherin; sie ist bei ihm nur eine gewöhnlicheUnglücksprophetin, die mit Wehcgeschrei in der verfchmtcn Stadtumherläuft:

Ihr Auge rollt irre,

Ihr Haar flattert wirre,

wie Fignra zeigt.

Liebreicher hat sie unser großer Schiller in einem seiner schönstenGedichte gefeiert. Hier klagt sie dem phthischeu Gvttc mit den schneidendstenJammertönen das Unglück, das er über seine Priester verhängt . . .Ich selber hatte einmal in öffentlicher Schulprüfung jenes Gedicht zudeklamieren, und stecken blieb ich bei den Worten:

Frommt's den Schleier aufzuheben,

Wo das nahe Schrecknis droht?

Nur der Irrtum ist das Leben,

Und das Wissen ist der Tod.