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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
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ßragööien.

Cressida.

(Troilus und Cressida.)

Es ist die ehrenfeste Tochter des Priesters CalchaS, welche ichhier dein vcrchrnngswürdigen Publik» zuerst vorführe. Paudaruswar ihr Oheim; ein wackerer Kuppler; seine vermittelnde Thätig-keit wäre jedoch schier entbehrlich gewesen. Troilus, ein Sohn desvielzeugenden Priamus, war ihr erster Liebhaber; sie erfüllte alleFormalitäten, sie schwur ihm ewige Treue, brach sie mit gehörigemAnstand, und hielt einen seufzenden Monolog über die Schwäche desweiblichen Herzens, ehe sie sich dem Diomcdes ergab. Der HorcherThersites, welcher ungalanterweise immer den rechten Namen aus-spricht, nennt sie eine Metze. Aber er wird wohl einst seine Aus-drücke mäßigen müssen; denn es kann sich wohl ereignen, daß dieSchöne, von einem Helden zum andern und immer zum geringerenhinabsinkend, endlich ihm selber als süße Buhle anheimfällt.

Nicht ohne mancherlei Gründe habe ich an der Pforte dieserGalerie das Bildnis der Cressida aufgestellt. Wahrlich nicht ihrerTugend wegen, nicht weil sie ein Typus des gewöhnlichen Weiber-charakters, gestattete ich ihr den Vorrang vor so manchen herrlichenJdealgestalten Shakespearescher Schöpfung; nein, ich eröffnete die Reihemit dem Bilde jener zweideutigen Dame, weil ich, wenn ich unseresDichters sämtliche Werke herausgeben sollte, ebenfalls das Stück,welches den NamenTroilus und Cressida" führt, allen andern vor-anstellen würde. Steevens, in seiner Prachtausgabe Shakespeares,thut dasselbe, ich weiß nicht warum; doch zweifle ich, ob dieselbenGründe, die ich jetzt andeuten will, auch jenen englischen Herausgeberbestimmten.

Troilus und Cressida" ist das einzige Drama von Shakespeare,worin er die nämlichen Heroen trngieren läßt, welche auch die grie-chischen Dichter zum Gegenstand ihrer dramatischen Spiele wählten;so daß sich uns durch Vergleich- mit der Art und Weise, wie die älterenPoeten dieselben Stoffe behandelten, das Verfahren Shakespearesrecht klar offenbart. Während die klassischen Dichter der Griechennach erhabenster Verklärung der Wirklichkeit streben und sich zur