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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
91
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Shakespeares Mädchen und Frauen. gl

kümmerlich versagt ist, dennoch die außerordentlichsten Zeichner sind,und Meisterstücke des Kupfer- und Stahlstichs zu liefern vermögen?Daß letzteres der Fall ist, bezeugen die nach Shakespcareschcn Dramengezeichneten Porträts von Frauen und Mädchen, die ich hier mitteile*),und deren Vortrefflichkeit wohl keines Kommentars bedarf. VonKommentar ist hier überhaupt am allerwenigsten die Rede. Die vor-stehenden Blätter sollten nur dem lieblichen Werke als flüchtige Ein-leitung, als Vorgruß dienen, wie es Brauch und üblich ist. Ich binder Pförtner, der euch diese Galerie aufschließt, und was ihr bis jetztgehört, war nur eitel Schlüsselgerassel. Indem ich euch umherführe,werde ich manchmal ein kurzes Wort in eure Betrachtungen hinein-schwatzen; ich werde manchmal jene Cicerone nachahmen, die nie er-lauben, daß man sich in die Betrachtung irgend eines BildeS allzubegeistcrungsvoll versenkt; mit irgend einer banalen Bemerkung wissensie" euch bald aus der beschaulichen Entzückung zu wecken.

Jedenfalls glaube ich mit dieser Publikation den heimischenFreunden eine Freude zu machen. Der Anblick dieser schönen Frauen-gesichter möge ihnen die Betrübnis, wozu sie jetzt so sehr berechtigtsind, von der Stirne verscheuchen. Ach, daß ich euch nichts Reellereszu bieten vermag, als diese Schattenbilder der Schönheit! Daß icheuch die rosige Wirklichkeit nicht erschließen kann! Ich wollte einstdie Hellebarden brechen, womit man euch die Gärten des Genussesversperrt . . . Aber die Hand war schwach, und die Hellebardierclachten und stießen mich mit ihren Stangen gegen die Brust, unddas vorlaut großmütige Herz verstummte aus Scham, wo nicht garaus Furcht. Ihr seufzet?

*) Ursprünglich waren diese Aufsätze der begleitende Text zu den 45 Stahl-stichen des gleichbenannten Werkes. Der Herausgeber.