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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
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84 Shakespeares Mädchen »nd Frauen.

dazu die erste Veranlassung gabeln Wir forschen gern nach Notizeilüber die wirklichen Lebcnsbeziehungen des Dichters. Diese Neugierist um so thörichtcr, da, wie aus Obengesagtem schon hervorgeht, dieGroße der äußeren Ereignisse in keinem Verhältnisse steht zu der Größeder Schöpfungen, die dadurch hervorgerufen wurden. Jene Ereignissekönnen sehr "klein und scheinlos sein, und sind es gewöhnlich, wiedas äußere Leben der Dichter überhaupt gewöhnlich sehr klein undscheinlos ist. Ich sage scheinlos und klein, denn ich will mich keinerbetrübsamcren Worte bedienen. Die Dichter präsentieren sich der Weltim Glänze ihrer Werke, und besonders wenn man sie aus der Fernesieht, wird man von den Strahlen geblendet. O laßt uns nie in derNähe ihren Wandel beobachten! Sic sind wie jene holden Lichter,die am Sommerabcnd aus Rasen und Lauben so prächtig hervorglänzen,daß man glauben sollte, sie seien die Sterne der Erde . . . daß manglauben sollte, sie seien Diamanten und Smaragde, kostbares Geschmeide,welches die Königskinder, die im Garten spielten, an den Büschenaufgehängt und dort vergaßen . . . daß man glauben sollte, sie seienglühende Sonnentropfen, welche sich im hohen Grase verloren haben,und jetzt in der kühlen Nacht sich erquicken und freudeblitzen, bis derMvrgen kommt und das rote Ftammengcstirn sie wieder zu sich hcrauf-saugt . . . Ach, suche nicht am -vage die Spur jener Sterne, Edelsteineund Sonucntrvpfen! Statt ihrer siehst du ein armes mißfarbigesWürmchen, das am Wege kläglich dahinkriccht, dessen Anblick dich an-widert, und das dein Fuß dennoch nicht zertreten will, aus sonder-barem Mitleid!

Was war das Privatleben von Shakespeare? Trotz aller Forschungenhat man fast gar nichts davon ermitteln können, und das ist einGlück. Nur allerlei unbewiesene läppische Sagen haben sich überdie Jugend und das Leben des Dichters fortgepflanzt. Da soll er beiseinem Bater, welcher Metzger gewesen, selber die Ochsen abgeschlachtethaben . . . Diese letzteren waren vielleicht die Ahnen jener englischenKommentatoren, die wahrscheinlich aus Nachgroll ihm überall Un-wissenheit und Kuustfchler nachwiesen. Dann soll er Wvllhändler ge-worden sein und schlechte Geschäfte gemacht haben . . . Armer Schelm!er meinte, wenn er Wvllhändler würde, könne er endlich in der Wollesitzen. Ich glaube nichts von der ganzen Geschichte; viel Geschrei undwenig Wolle. Geneigter bin ich zu glauben, daß unser Dichter wirklichWilddieb geworden, und wegen eines Hirschkalbs in gerichtliche Be-drängnis geriet; weshalb ich ihn aber dennoch nicht ganz verdamme.Auch Ehrlich hat einmal ein Kalb gestohlen," sagt ein deutschesSprichwort. Hierauf soll er nach London entflohen sein und dort fürein Trinkgeld die Pferde der großen Herren vor der Thüre des Theatersbeaufsichtigt haben ... So ungefähr lauten die Fabeln, die in derLitteratnrgeschichte ein altes Weib dein andern nachklatscht.