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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
78
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78 Shakespeares Mädchen und Frauen.

Biers trank man den leichtsinnigen Wein, das demokratische Getränk,welches im Rausche die Menschen gleich macht, die sich eben noch aufden nüchternen Schauplätzen der Wirklichkeit nach Rang und Geburtunterschieden , , ,

All diese farbenreiche Lust ist seitdem, erblichen, verschollen sinddie freudigen Trompctenklttnge, erloschen ist der schöne Rausch . . .Uüd das Buch, welches dramatische Werke von William Shakespeareheißt, ist als Trost siir schlechte Zeiten und als Beweis, daß jenesrusrr^ iinAlanä wirklich existiert habe, in den Händen des Volks zurück-geblieben.

Es ist ein Gluck, daß Shakespeare eben noch zur rechten Zeitkam, daß er ein Zeitgenosse Elisabeths und Jakobs war, als freilichder Protestantismus sich bereits in der ungezügelten Denkfreihcit,aber keineswegs in der Lebensart und Gefühlsweise äußerte, und dasKönigtum, beleuchtet von den letzten Strahlen des untergehendenRitterwescnS, noch in aller Glorie der Poesie blühte und glänzte.Ja, der Volksglaube des Mittelalters, der Katholizismus , war erstin der Theorie zerstört; aber er lebte noch mit seinem vollen Zauberim Gemntc der Menschen, und erhielt sich noch in ihren Sitten, Ge-bräuchen und Anschauungen. Erst später, Blume nach Blume, ge-lang es den Puritanern, die Religion der Vergangenheit gründlichzu entwurzeln, und über das ganze Land, wie eine graue Nebeldecke,jenen öden Trübsinn auszubreiten, der seitdem, entgeistet und ent-kräftet, zu einem lauwarmen, greinenden, diinuschläfrigcn PietiSmnSsich verwässerte. Wie die Religion, so hatte auch das Königtum inEngland zu Shakespeares Zeit noch nicht jene matte Umwandlungerlitten, die sich dort hentigestags unter dem Namen konstitutionellerNegierungsform, wenn auch zum besten der europäischen Freiheit,doch keineswegs zum Heile der Kunst geltend macht. Mit dem BluteKarls des Ersten, des großen, wahren, letzten Königs, floß auch allePoesie aus den Adern Englands; und dreimal glücklich war der Dichter,der dieses kummervolle Ereignis, das er vielleicht im Geiste ahnte,»immermehr als Zeitgenosse erlebt hat. Shakespeare ward in unserenTagen sehr oft ein Aristokrat genannt. Ich möchte dieser Anklagekeineswegs widersprechen, und seine politischen Neigungen vielmehrentschuldigen, wenn ich bedenke, daß sein zuknnstschanendes Dichtcr-nnge aus bedeutenden Wahrzeichen schon jene nivellierende Puritanerzcitvoraussah, die mit dem Königtum so auch aller Lebenslust, allerPoesie und aller heiteren Kunst ein Ende machen würde.

Ja, während der Herrschaft der Puritaner ward die Kunst inEngland geächtet; namentlich wütete der evangelische Eifer gegen dasTheater, und sogar der Name Shakespeare erlosch für lange Jahreim Andenken des Volks. Es erregt Erstaunen, wenn man jetzt inden Flugschriften damaliger Zeit, z. B. in dem Ulistrio-Nnsiüx des