Shakespeares Mäöchen
(1838.)
unö Arauen.
Ich kenne einen gntcn Hamburger Christen, der sich nie darüberzufrieden geben konnte, das; unser Herr und Heiland von Geburtein Jude war. Ein tiefer llumut ergriff ihn jedesmal, wenn er sicheingestehen mußte, daß der Mann, der, ein Muster der Vollkommenheit,die höchste Verehrung verdient, dennoch zur Sippschaft jener an-geschnauzten Langnascn gehörte, die er auf der Straße als Trödlerhcrumhausieren sieht, die er so gründlich verachtet, und die ihm nochfataler sind, wenn sie gar, wie er selber, sich dem Großhandel mitGewürzen und Farbestoffcn zuwenden, und feine eigenen Interessenbeeinträchtigen.
Wie es diesem vortrefflichen Sohne HammoniaS mit JesusChristus geht, so geht es mir mit William Shakespeare. Es wird mirflau zu Mute, wenn ich bedenke, daß er am Ende doch eilt Eng-länder ist, und dem widerwärtigsten Volke angehört, das Gott inseinem Zorne erschaffen hat.
Welch ein widerwärtiges Volk, welch eilt unerquickliches Land!Wie steifleinen, wie hausbacken, wie selbstsüchtig, wie eng, wie englisch!Ein Land, welches längst der Ozean verschluckt hätte, wcnu er nichtbefürchtete, daß es ihm Übelkeiten im Mageu verursachen möchte. . .Ein Volk, ein granes, gähnendes Ungeheuer, dessen Atem nichts alsStickluft und tödliche Langeweile, und das sich gewiß mit einemkolossalen Schiffstan am Ende selbst aufhängt . . .
Und in einem solchen Lande, und unter einem solchen Volkehat William Shakespeare im April 1564 daS Licht der Well erblickt.
Aber das England jener Tage, wo in dem nordischen Bethlehem,welches Stratfvrd npon Avon geheißen, der Mann geboren ward, demwir das weltliche Evangelium, wie man die Shnkespcareschen Dramennennen mochte, verdanken, das England jener Tage war gewiß vondem heutigen sehr verschieden; auch nannte man es rnsrrz- bin^innck,und es blühte in Farbenglanz, Maskenschcrz, tiefsinniger Narretei,sprudelnder Thatenlnst, überschwenglicher Leidenschaft . . . Das Lebenwar dort noch ein buntes Turnier, wo freilich die edelbnrtigcn Ritterin Schimpf und Ernst die Hauptrolle spielten, aber der helle Trvmpeten-ton auch die bürgerlichen Herzen erschütterte . . . Und statt des dicken