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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
57
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William Ratcliff,

S7

Im Hof, im Stall, im Garten Ach! da fand man?lm Schwarzenstein den Leichnam Macdvnalds.

Douglas. Wer war der Mörder?

Mac-Gregor. Lange war vergeblich

All unser Forschen, da gestand Maria,

Daß sie den Mörder kenne, und erzählte:

In jener Nacht, die ans den Mordtag folgte,

Sei William Ratcliff in ihr SchlafgemachPlötzlich getreten, habe lachend ihrDie Hand gezeigt, noch rot vom Blut deS Brnut'gams,Und habe Macdonalds BerlobnngsringIhr dargereicht mit zierlicher Verbeugung.

Douglas. Berrnchtheit! Welcher Hohn! Was thatet Ihr?

Mae-Grcgor. Ich ließ den Leichnam Macdonalds beisetzenIn seines eignen Schlosses Ahnengrnft,

Und an der Stätte, wo der Mord geschah,

Pflanzt' ich ein Kreuz zum ewigen Gedächtnis.

Den Mörder Ratcliff suchte ich vergebens.

Man hatte ihn zuletzt gcschn in London,

Wo er nach seiner Mutter Tod sein ErbteilIn Sans und Braus verprasste, und nachherVon Spiel und Borg, und gar, wie ein'ge sagen,Vom ritterlichen Straßenraube lebte.

Verstrichen waren seit der Zeit zwei Jähre,

Und Mord und Mörder waren fast vergessen,

Da kam hierher in unser Schloß Lord Duncnn,

Hielt bei mir an um meiner Tochter Hand,

Ich will'gte ein, und mir gelang es auch,

Marias Jawort einem Mann zu schaffen,

Der aus dem Stamm der Schottenkön'ge sproßt.

Doch wehe uns! Bald stand am Hochaltar,

Festlich geschmückt die heimlich bange BrautUnd Dnnean lag am Schwarzenstein erschlagen!

Douglas. Entsetzlich!

Mac-Gregor. Auf! steigt auf zu Roß! rief ich

Den Knechten, und wir jagten und wir suchtenIn Busch und Feld, in Wäldern und in KlüftenDrei Tage lang, jedoch umsonst, wir fandenDie Spur des Mörders nirgends.

Ach! und dennoch,Dieselb e Nacht von jenem SchreckenstageSchlich William Ratcliff in Mariens Kammer,

Verhöhnte sie, und gab ihr zierlich grüßendDes Bräutigams Berlobnngsring zurück.