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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
25
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Almcmsor.

So muß sie jetzt doch ganz und gar verbluten,

Hier an dem Grabe von Zuleimas Liebe.

Zuleimn. O schlimme Worte und noch schlimmre Kunde!Ihr bohrt euch schneidend ein in meine Brust,

Und auch Zuleimas Seele muß verbluten. (Sie weint.)Alnmnsor. O weine nicht! Wie glühnde Naphthatropfeu,So fallen deine Thräuen auf mein Herz.

Mein Wort soll dich jetzt nimmermehr verletzen!

Verehren will ich dich wie'n Heiligtum,

In dessen Näh' sogar des Blutes RächerDie scharfe Spitze abbricht von der Lanze;

In dessen Näh' die Taube und GazelleGesichert sind vor schlimmen Jägerspfeilen;

In dessen Näh' selbst gier'ge RäubershnndeSich demutvoll nur zum Gebet bewegen.

Zuleima, du bist meine heil'ge Kaaba,

Dich glaubte ich zu küssen, als zu MekkaMein glühnder Mund berührt den heil'gen Stein;Du bist so süß, doch auch so kalt wie er!

Znleimn. Bin ich dein Heiligtum, so brich sie ab,Die scharfe Lanzenspitze deiner Worte,

So laß im Köcher ruhn die argen Pfeile,Die luftbefiedert in mein Herze treffen,

Und falte nicht wie zum Gebet die Hände,

Um desto sichrer meine Ruh' zu raubeil.

Genug schon schmerzt mich deine böse KundeVom Tod Abdullahs und Fatimas; beideHab' ich wie eigne Eltern stets geliebt,

Und beide nannten mich auch gerne „Tochter!" —O sprich, wie starb Fatimn, unsre Mutter?

Alniansor. Auf ihrem Ruhebette lag die Mutter,Zur Linken kniete ich und weinte still,

Zur Rechten stand Abdullah starr und stumm,

Und mit der Friedenspalme schwebte sichtbarDer Todeseugel über Mutters Haupt.

Ich wollte sie entreißen diesem Engel,

Und ängstlich hielt ich fest der Mutter Hand.

Doch wie die Sanduhr leis und leiser rinnet,

So rann das Leben aus der Hand der Mutter;Auf ihrem bleichen Antlitz zuckten wechselndEin Lächeln und ein Schmerz, und wie ich leiseMich hinbog über sie, da seufzte sieAus tiefer Brust: „Bring diesen Kuß Zuleimcn!"Bei diesem Namen stöhnte auf Abdullah,