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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
16
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IS

Tragödien.

Ein Töchterchen gebar, hat diese GuteZu sich genommen mein verwaistes Kind,Und großgesäugt und mütterlich gepflegt.

Doch als ich wieder zu mir nahm ins SchloßDen Schmcrzensohn, ergriff bei seinem AnblickMich jedesmal aufs neu der alte SchmerzOb seiner toten Mutter. Dieses merkteMein kluger Freund, und einst sprach er zu mir:Was dünkt dir, Aly, wenn wir uusre KinderSchon jetzt als Braut und Bräutigam verlobten,Um unsre Freundschaft fester noch zu gründen?Laut weinend fiel ich in des Freundes Arm,Und in derselben Stunde ward beschlossen,

Daß ich des Freundes Tochter zu mir nehmen,Und unter Ammenleitung hier im SchlosseSelbst auferziehen sollt', damit ich selbstDem eignen Sohn ein wackres Weib erziehe,Und daß mein Sohn erzogen werden sollteVon meinem Freund, damit er selber bildeDen künft'gen Ehmann seiner einz'gen Tochter.Und dies geschah.

Don Enrique. Ich brenne vor Begier —

All). Die Kinder wuchsen auf, und sahn sich oft,Und liebten sich, — bis das Gewitter kam.Ihr wißt wohl, wie sein Blitzstrahl eingeschlagenIn des Alhambras höchsten Turm, wie vieleDer edelsten Geschlechter von GranadaZur Religion des Kreuzes sich gewandt,

Ihr wißt, daß es der frommen ChristenammeSchon längst gelang, Zulcimas sanftes HebzFür Christum zu gewinnen, daß die HoldeDen Heiland auch bald öffentlich bekannte,Und durch der Taufe heil'ges SakramentDen schönen Namen Clara sich gewann.

Ich ging denselben Weg, dem eignen Herzenlind der geliebten Pflegetochter folgend.

Ich hegte keinen Zweifel, daß mein Freund,Der Gleichgesinnte, gleichem Beispiel huld'ge.

Doch wehe mir, er war ein blinder MoSlem,Und nahm die Botschaft auf mit kaltem Zorne,Und ließ nur melden: Seines Gottes Feind,Den hasse er als seinen eignen Feind,

Er wolle nie der Gottesleugnerin,

Der eignen Tochter, Antlitz wicderschn,