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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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179
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Hebbel über Heine. 179

jedoch bei Heine. Es bleibt nichts übrig als Staub und Asche, womit ein müßigerWind sein Spiel treibt".

In diesem Urteil ist manches Richtige, aber gegen den Schluß werden vieleVerehrer Heines berechtigte Einwendungen erheben dürfen, weil sie aus demScheiterhaufen, auf dem er manches edle Gefühl in Asche aufgehen ließ, gar ofteinen neuen Phönir haben aufsteigen sehen. Nur wer Hebbels Entwicklung genauerverfolgt, kann es begreifen, daß er sich gerade in jener Zeit von Heine abgestoßenfühlen mußte.

Unmittelbar hinter diesem Urteil folgt ein zweites:Die echte Poesie dringt ausder Seele wie das heiße Blut aus der Ader, die es selbst aufsprengt". Das ist derwahre und echte Hebbel, und wenn man nun erwägt, daß zu jener Zeit geradedie Gedichte Heines erschienen, welche seine zweifelhaften Erfolge bei den Schönender Pariser Boulevards feierten, so wird man es begreiflich finden, daß sich Hebbelvon einer solchen Poesie, die in der Empfindung wie in der Form nichts mit seinemIdeal gemein hack, abwenden mußte. Da er den im vorigen Kapitel erwähntenChamissoschenMusenalmanach" für 1837 zum erstenmal sieht, freut er sichüber die trefflichen Aussichten, welche die deutsche Poesie jetzt habe. Im ganzenBuche stehe kein einziges Gedicht,- die Besprechung schließt mit den Worten:Heine hat nichts zum Almanach geliefert als sein Gesicht, und das hätte er sichbehalten können".

Später änderte sich, wie bereits bemerkt, dieses Verhältnis. Das wirkliche Lebenhatte Hebbel geschmeidiger, fremden Einflüssen zugänglicher, duldsamer gemacht,und auch in seinen Anschauungen über Poesie war wohl inzwischen eine Revolutioneingetreten. Sein kritischer Aufsatz über dasBuch der Lieder" imHamburgerKorrespondenten" (1841) enthält in der Betrachtung über den Begriff des lyrischenHumors eine gerechte Anerkennung Heines. Kaum kommt er nach Paris, so isteiner seiner ersten Wege der zu Heine. In dem vor einigen Jahren erschienenenBriefwechsel Hebbels mit berühmten Zeitgenossen finden wir mehrere sehr interessanteBerichte über den Verkehr, der sich nun zwischen Hebbel und Heine entsponnen. Esist bemerkenswert, daß Hebbel in seinem Tagebuch aus Paris Heines nur einmalgedenkt, und zwar anläßlich eines Besuches, den dieser ihm gemacht, und wegendes Lobes, das er ihm gespendet. In dem Briefwechsel dagegen wird Heine sehroft erwähnt, aus verschiedenen Anlässen und in verschiedenartiger Beleuchtung.Dort scheint es, als sei Heine der Entgegenkommende gewesen, und hier sehen wir,daß Hebbel es war. Aus diesem kleinen, aber charakteristischen Umstände kannman ersehen, welchen geschichtlichen Vorzug Briefwechsel vor Tagebüchern haben.

In seinem ersten Schreiben an seine Freundin Elise Lensing in Hamburgvom 16. September 1843 schildert Hebbel den ersten Besuch bei Heine, den er

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