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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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178
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178 Friedrich Hebbel.

Siebzehntes Kapitel. Friedrich Hebbel.

wei in ihrem innersten Wesen, in ihrem Charakter und in ihrer Lebensauffassungverschiedener geartete Naturen als Hebbel und Heine dürste es wohl im ganzenUmkreis der neuern deutschen Litteratur kaum geben. Heine, der leichtfertige,melancholische, subjektive, verführerische, ironische Romantiker und Hebbel, der tief-gründige, schwermütige, bei dem alles in Reflexion und Pessimismus, sowie insittlichen Problemen aufging, der unerbittliche, kräftige Poet, dessen Dichtungsartgegen die Flatterhaftigkeit des jungen Deutschland einen entschiedenen Gegensatz bildete!Und dennoch oder vielleicht gerade deshalb fühlten sich beide Dichter ihrganzes Leben lang lebhaft zu einander hingezogen. Die Thatsache selbst war bekannt,aber die näheren Umstände über die Beziehungen der beiden Dichter zu einanderentzogen sich bisher der allgemeinen Kenntnis. Adolf Strodtmann, der erste BiographHeines, wufste überhaupt noch nichts von diesen Beziehungen.

Wenn man Hebbels Bekenntnisse in seinen Tagebüchern, wenn man seineAnschauungen über die Poesie und über den Humor, über die Mittel der Dicht-kunst und das Schicksal des Genius kennt, so findet man es begreiflich, daß er inseinen Anfängen keinen Geschmack an Heine finden konnte. Ihm war alles DichtenOffenbarung- nach seiner Meinung hält in der Brust des Dichters die ganzeMenschheit mit ihrem Wohl und Wehe ihren Reigen, und jedes seiner Gedichtesoll ein Evangelium sein, worin sich irgend ein Tiefstes, was eine Existenz odereinen ihrer Zustände bedingt, ausspricht. Er tadelt es, daß die meisten Dichterseiner Zeit das Wort, das sie ihren Gestalten in den Mund legen, zum Spiegel ihrerZustände machen, und er trifft damit den Kern des Tadels, den man gegen Heineseither so oft ausgesprochen hat. Aber er vergißt oder übersieht, daß auch bei Heinedas Wort zugleich das Echo seiner Natur war. Wenn er als Hindernis echterLyrik den Umstand hervorhebt, daß sie fast immer das Alte, Gewöhnliche, Längst-bekannte wiederhole, so hätte er ja bei Heine gerade das Neue, Ungewöhnliche undFrappante finden können, wäre er diesem Dichter unbefangen gegenüber getreten.Sein erstes Bekenntnis über Heine datirt aus dem Jahre 1838. Da heißt es:Heines Dichtermanier (besonders die neue) ist das Erzeugnis der Ohnmacht undder Lüge. Weil seine verworrenen Gemütszustände sich nicht in die Klarheit einesentschiedenen Gefühls auflösen lassen, oder weil er nicht den Mut und die Kraftbesitzt, den hierzu notwendigen inneren Prozeß abzuwarten, wirft er den Fackelbranddes Witzes in die werdende Welt hinein und läßt sie gestaltlos für nichts undwieder nichts verflammen. Diese Verklärung durch den Scheiterhaufen ist abernur dann zu gestatten, wenn ein Phönix davon fliegt. An dem Phönix fehlt es