220 Der mosaische Segenswunsch.
fröhlich scheint und lieblich leuchtet, und doch ein Gewölcke undUngewitter sich wider sie erhebet und ihr den Schein nimmt, daßman keine Sonne mehr siehet, und ist, als wolle sie versinckenund sich das Ungewitter überwinden und unterdrücken lassen, daßman wol zur Sonne sagen mag: Halte veste, liebe Sonne, undlaß dich die Wolcken und Wetter nicht unterdrücken, oder denTag zur Nacht machen, sondern erhebe dein schönes Licht überalle Wolcken und Wetter und erhalte uns den Tag, daß nichtdie Wolcken und Wetter mit ihrem Finsterniß den Sieg behal-ten, sondern du mit deinem schönen Lichte obsiegest und Ober-hand behaltest. Also hier auch will dieser Segen wünschen,daß Gott der Herr das Licht seines Worts über uns erhebenwollte und also darüber halten, daß es höher und starcker in un-serm Hertzen leuchte, denn alle Anfechtung des Teufels, Todesund der Sünden, Verzweifeln, Verzagen, Erschrecken und allesUnglück seyn kann. Denn wo er das nicht thut, so ist uns derTeufel mit seinem Wetter und Wolcken zu machtig, und verfin-stert und verdunckelt uns das liebe angefangene Licht seines Wortsund bringet uns so jämmerlich darum,' daß es hernach arger mituns wird, denn es vor je gewesen ist, wie wir taglich an denensehen und erfahren, die vom Worte fallen, durch Gewalt gedrun-gen, oder durch Ketzerey verführet.
Denn wie Christus Luca 11, 26. sagt: „Wenn der un-reine Geist ausgetrieben ist, so kommet er mit sieben argern wie-der." Daß wol noth thut hier, segnen und beten, ruffen undwünschen, Gott wolle sein Angesicht über uns erheben, das ist,das Licht seines werthen Worts in unserm Hertzen gewaltiglicherhalten und oben schweben lassen wider den Mörder und Lügner,den Teufel, welcher durch Mord und Lügenlehre dasselbe Wortin uns unterdrücken und dampfen will.
Und dies dritte Stück dieses Segens betrifft auch zwey, nem-lich Erheben des Angesichts und den Frieden. Denn er wün-schet nicht alleine, daß wir gestarcket und getröstet werden, durchErhebung seines Angesichts wider den Teufel u. s. w., sondern,daß er uns auch ein friedlich Hertz und guten Muth verleihe insolchem Kampffe und Unruhe, auf daß wir nicht alleine erduldenund endlich obsiegen, sondern auch mitten in dem Kampffe undUnruhe Frieden haben mögen, Gott loben und dancken, und nichtmurren noch ungeduldig werden wider seinen göttlichen Willen;wie St. Paulus Coloss. 3, 15. lehret: daß der Friede in unsermHertzen sollte den Sieg behalten," daß wir nichts wider Gott