218 Der mosaische Segenswunsch.
sprechen soll, daß uns Gott sein gnadiges Wort reichlich scheinenlassen wolle und damit fröhliche Gewissen machen, daß uns dieSünde, Gewissen, Gesetze und Teufel nicht erschrecken, noch ver-zagt, blöde und betrübt machen, daß wir nicht seinen Zorn, son-dern seine Gunst und Liebe in unserm Hertzen fühlen. Das istder rechte, geistliche, grosse Segen, der ein geistliches und ewigesLeben giebt, welcher den Thieren, Vietze, Vögeln u. st w. nichtkann gegeben werden.
Er setzet aber darzu: und sey dir gnadig, und lasset es nichtgenug seyn, daß er sein Angesicht über uns scheinen oder leuchtenlasset. Denn es sind auch zwey Stücke in diesem Segen, welcheSt. Paulus unterschiedlich zu nennen pfleget, Gnade und Gabe.Das erste ist Gnade oder Gunst, wenn er seinen Zorn wendetund uns durch sein Wort gnädiglich anstehet und uns alle Sündevergiebt, und also unser Hertz gegen ihn sicher und fröhlich machet.Darnach giebt er auch die reichen und mancherley Gaben seinesGeistes, dadurch wir viel ausrichten, beyde in uns selbst und inaller Welt, als: lehren, trösten, rathen, helfen, taufen, Sacra-ment reichen, Wunder thun und dergleichen, wie 1. Cor. 12, 4.Paulus erzahlet.
Gleichwie die liebe Sonne, wenn sie aufgehet, machet sienicht alleine alle Welt fröhlich mit ihrem lieblichen, schönen Lichte,sondern würcket, giebt und hilft, daß beyde, Menschen und Vieh,allerley thun, arbeiten, gehen, stehen und alle Glieder brauchenkönnen, erwärmet und treibet allerley Gewächse und Früchte, bissie alles reif und vollkommen macht. Also spricht hier der Segenauch, daß Gott uns nicht alleine mit dem Worte der Gnadenhelle scheinen wollte und uns durch Vergebung der Sünden undAnzeigung seiner Gunst gegen uns fröhlich machen, sondern auchuns gnadig seyn, das ist, gnädiglich nachdrücken, mit Geist undGaben stärcken, zu thun allen seinen Willen. Darum heißt diesWort, gnädig seyn, so viel, als begnaden, oder gnädiglich geben,wie der Erzvater Jacob, 1. Mos. 33, 6., solches Wort brauchetund zu Esau spricht: „Dies sind meine Kindlein, die mir derHerr begnadet, bescheret oder gnädiglich gegeben hat."
Und lehret uns hier abermal dieser Segen, daß wir danck-bar seyn sollen und erkennen, wie wir unsere Sünde durch keinVerdienst noch Wercke los werden können, auch alle Heiligkeitund Weisheit auf Erden, alle andere Prediger und Lehrer, sieseyn, wer sie wollen, nicht ein einig Gewissen in der allergering-sten Sünde stillen noch trösten können, sondern es muß es das