Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
216
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216 Der mosaische Segenswunsch.

Das erste Stück dieses Segens betrifft das leibliche Lebenund Güter, wie 1. Mos. 1, 28. und auch sonst oft gesagt wird:und Gott segnete sie und sprach:Wachset und seyd fruchtbar."Daher auch in der Schrift 1. Mos. 27, 34. 36. 38. die gemeineWeise zu reden ist:Gieb mir einen Segen. Hast du nichtmehr Segen?" Das ist: Gieb mir etwas, als Gut, Brod,Kleid u. s. w. Denn es ist alles eitel Gottes Gabe, und durchseinen Segen haben wir, was wir haben, und Heisset auch darumein Segen, das ist, eine Gottes Gabe, die er uns durch seinenSegen giebt.

So wünschet nun dieser Segen dem Volcke, daß ihm Gottwolle Glück und alles Gut geben und auch behüten und erhalten,nemlich, daß es erstlich an ihm selbst leiblich fruchtbar sey, treuehelich Gemahl, Nahrung, Kleider und alles, was noch ist zudiesem leiblichen Leben, habe, es sey Haus, Hof, Acker, Vieh,Gesinde. Und wenn er es nun giebt und wir es haben, daß eres auch behüte und bewahre, als, den Leib vor Kranckheit undPlagen, das Vieh, Haus, Acker, vor Feuer, Wasser, Ungewitterund allerley Schaden.

Und lehret uns solcher Segen darneben, daß wir danckbarseyn sollen und erkennen, daß unser Leib und Leben, sammt allenGütern und Nothdurft, nicht durch unser Werck noch Arbeit ge-macht noch gewonnen werden mögen, auch nicht durch unfernFleiß und Sorge bewahret noch erhalten werden, sondern es istalles Gottes Segen, Gottes Hut und Sorge, Ps. 127, 1. 2;nicht, daß wir darum sollten müssig gehen, nichts arbeiten, nochhüten, sondern sollen das unsere thun, mitarbeiten und hüten,aber doch wissen, daß Gott müsse das Gedeyhen und Gerathen inunserer Arbeit und Hut geben, wie St. Paulus lehret, 1. Cor.3, 6:Ich habe gepflanzer, Apollo hat begossen; aber Gott hatdas Gedeyhen gegeben."

Denn wir sehen, wie unzahliche Kranckheit und Gebrechenunserm eigenen Leibe, Weibern, Kindern, Gesinde, wie unzahlicheGefahr und Plage dem Wiehe, wie unehlicher Schaden und Un-geziefer den Früchten und andern Gütern widerfahren kann undtaglich widerfahret, daß nicht möglich ist, aus unserer Macht oderWitz ein Hühnlein oder Halmlein oder Ferklein, ja auch nicht einKörnlein zu erhalten oder behüten, geschweige, daß wir es machenoder schaffen sollten. Der Schöpffer, der es uns alles schaffetund giebt, der muß auch alles behüten und erhalten, ohne daßwir arbeiten müssen, und nicht müssig noch laß gehen.