21(1 Bon den zehn Geboten.
Uebertretung der zehn Gebote.
Die Uebertretung des ersten Gebots.
Wer in seiner Widerwärtigkeit Zauberey, schwartze Kunst,Teufels Bundgenossen sucht. Wer Briefe, Zeichen, Kräuter,Wörter, Segen und dergleichen gebrauchet; wer Wünschruthen,Schatzbeschwörungen, Erystallensehen, Mantelfahren, Milchsteh-len übet. Wer sein Werck und Leben nach erwählten Tagen,Himmelszeichen und der Weissager Düncken richtet. Wer sichselbst, sein Vieh, Haus, Kinder und allerley Güter vor Wölfen,Eisen, Feuer, Wasser, Schaden, mit erdichteten Gebeten segnetund beschwöret. Wer sein Unglück und Widerwärtigkeit demTeufel, oder bösen Menschen zuschreibet, und nicht mit Liebe undLob alles Böse und Gute von Gott alleine aufnimmt und ihmwieder heimträgt mit Dancksagen und williger Gelassenheit. WerGott versucht und in unnöthige Gefährlichkeit Leibes oder See-len sich giebt. Wer in seiner Frömmigkeit, Verstand, oder an-dern geistlichen Gaben hoffärtig ist. Wer Gott und die Heiligen,mit Vergessen der Seelennoth, nur um zeitliches Nutzens willenehret.
Die Uebertretung des andern Gebots.
Wer ohne Noth oder aus Gewohnheit leichtlich schwöret.Wer falschen Eyd schwöret, oder auch seine Gelübde bricht.Wer übel Thun gelobet oder schwöret. Wer mit Gottes Namenfluchet. Wer närrische Fabeln von Gott schwatzet und die Worteder Schrift verkehret. Wer Gottes Namen nicht anruffet in sei-ner Widerwärtigkeit und nicht benedeyet in Liebe und Leide, imGlücke und Unglücke. Wer Ruhm, Ehre und Namen suchet vonseiner Frömmigkeit:c. Wer Gottes Namen fälschlich anruffet,als die Ketzer und alle hoffärtige Heiligen.
Die Uebertretung des dritten Gebots.
Wer fressen, sausten, spielen, tantzen, müßiggehen, Un-keuschheit treiben, wer Faulheit, Amt Gottes verschlafen, ver-säumen, spatziren, unnützes Schwätzen übet. Wer ohne sondereNoth arbeitet und handelt. Wer nicht betet, nicht Christi Leidenbedencket, nicht seine Sünden bereuet und Gnade begehret; alsonur mit Kleidern, Essen, Geberden äusserlich feyret.