Von der Einsetzung des Osterlamms w. 207
dort ist es geboten, allhier wird es ungeboten gehalten. Inner-halb des Hauses essen bedeutet die Predigt, so man inwendig derGemeinde Gottes treibet. Jedoch, ob ich gleich predige, so gehetes doch nicht in das Hertz, es sey denn bey denen, die da ChristiGlieder sind und da ein einfaltiger Sinn ist. Darum, wenn ichwollte heraus fahren und sagen: Ich will diesen zum Christenmachen mit diesem und jenem Wercke, als durch Bilder stürmen,oder die Güter gemein machen, das gehet nicht an.
Zum sechs und zwanzigsten, daß man das Lammlein nichtzertheile. Wenn man das Lammlein will austheilen unter die,so da nicht Christen sind, oder zertheilen, das ist unrecht. Zuvorist dies auch geboten gewesen, nun aber wird es gehalten ohneGebot, durch den Heiligen Geist, der lasset sich nicht zertheilenund schneiden in Stande, Orden, Wercke und Secten; sondernalleine bey einem Glauben bleibet es. Johannes hat solches aufChristum gezogen, daß er am Chreutze gehangen ist. Solcheshat er gethan aus dem übrigen Reichthume seines Verstandes,und zusammengeflochten das geistliche Lammlein, Christum, unddas leibliche Lammlein. Zuvor sind die Gebeine leiblich gewesen,und des Lammleins Blut ist auch leiblich gewesen, gleichwie desHerrn Christi Fleisch und Blut auch leiblich ist; aber nun mußder Nutzen und Brauch geistlich geschehen. Jener Brauch wargar leiblich, aber dieser Brauch ist geistlich, davon in demselbenEvangelisten, Cap. 6, 54. 56., der Herr Christus saget: Werda isset mein Fleisch :c.
Da mache nicht ein geistlich Blut von Christo; denn er hatnicht einen geistlichen Leib und Blut für uns gegeben, sondernein natürlich Fleisch, so er von der Jungfrau Maria sich genom-men. Darum dies geistlich essen stehet im Wort, essen und trin-cken. Wiewol die Jüden beydes fleischlich verstunden, aber derHerr Christus spricht, Joh. 6, 63: Meine Worte sind Geistund Leben; zeiget damit an, solch essen und trincken müsse geist-lich geschehen. Das ist nun, davon hier stehet und gesaget wird:Lasset bleiben die leiblichen Beine.
Wir wollen aber jetzt bey dem Brechen bleiben, was geist-lich brechen sey. Gebeine bedeuten die Starcke, so das Chri-stenthum tragt. Denn Fleisch und Blut sonst das Christenthumnichts tragt, sondern der Heilige Geist giebet es, daß man Kraft,Muth und Starcke hat, und man nicht untergedrücket werde.Also verschlinget der Tod auch wol den Herrn Christum, aberman muß ihm die Gebeine lassen. Er ist gestorben aus Kraft