Von der Einsetzung des Osterlamms zc. 199
der da taglich zunimmet, wachset, groß, fett und starck wird in. dem Erkenntniß des Herrn Christi, Coloss. 3, 10. Wie denn da-von der Herr Christus Joh. 6, 35. auch saget: „Wer mich ifset,den wird nicht hungern." Daselbst hast du auch das geistlicheEssen des Hertzens. Denn was der Christenmensch mit demMunde zu sich nimmst, das hilft ihm nichts an seinem Christen-thum, 1. Cor. 3, 8., aber wenn das Hertz etwas durch den Glau-ben zu sich reistet, das hilft, und dadurch wird einer vor Gottein reicher, völliger Christ, daß alles Gott wohlgefallet, was erthut.
Zum zwölften saget Moses: Ihr sollet also Fleisch essen inderselbigen Nacht. Er Heisset Fleisch den Herrn Christum, wie-wol er Christi Fleisch noch nicht deutlich ausdrücket; aber er willsagen: Ihr seyd geneigt zu essen, was dem Leibe wohlthut undleiblich ist; wolan, ich will euch einmal ein recht Fleisch zu essengeben, davon ihr lustig werdet zu essen, und das da eine leiblicheSpeise sey.
Also ist Christus unsere Speise, daß er uns giebet seinenLeib und Blut, wie er das natürlich von seiner Mutter empfan-gen hat, das ist, unsere geistliche Speise und Tranck, nicht umdes Fleisches willen alleine, sondern daß Gott drinnen wohnet.Er spricht nicht: Das Fleisch ist die Speise und das Blut ist derTranck, sondern: Mein Fleisch und mein Blut; mein, denn ichbin Gott.
Wenn ich das glaube, daß Christus am Creutz für mich ge-hangen hat, und wahrhaftig Fleisch und Blut worden und den-noch Gott ist, waget hinan für mich sein Fleisch und Blut, (dennGott konnte sonst nicht leiden oder sterben, aber darum hat erdas Fleisch an sich genommen, auf daß er leiden könnte, undHat sein Fleisch und Blut für mich gegeben, damit hat er mir ge-holfen); wenn ich nun glaube, daß dies Fleisch für mich gegebenund geopffert sey am Creutze, das Heisset essen und trincken, dasist, glauben, Christi Blut und Leib sey für mich gegeben.
Dieses Essen ist, an Christum glauben, und sein Blut trin-cken, das ist, von Hertzen halten, daß er für uns in den Todgegeben sey. Das hat Gott durch dies ausserliche Osterfest derJüden anzeigen wollen. Sie waren leiblich, und mußten leib-lich vom Lammlein essen; aber wir essen geistlich davon, das ist,wir glauben, daß des Herrn Christi Fleisch und Blut für unsgegeben sey. Aber dasselbe Essen geschiehst durch den HeiligenGeist.